APOTIPP

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der DAN-Fachzeitschrift „der neue Apotheker“  Nr. 6/2004 erschienen

 

 

 

 

Schwitzen nicht nur im Sommer!

 

Durch Stoffwechselvorgänge im menschlichen Organismus entsteht so viel Wärme, dass die Körpertemperatur eigentlich jede Stunde um ein Grad höher sein müsste, bei körperlicher Anstrengung oder im heißen Klima noch mehr….

Das Gehirn überprüft ständig die „Betriebstemperatur“ von 37 Grad - durch das Blut sowie durch die Wärme- und Kälterezeptoren  der Haut. Damit diese Temperatur  aufrechterhalten wird, erweitern sich bei Wärme die Gefäße, sodass die Durchblutung steigt und über Haut und Blut Wärme nach außen abgegeben werden kann. Durch die Finger fließt z.B. bei Hitze ca. 60 -mal mehr Blut als bei Kälte. Eine zweite Möglichkeit für die Abkühlung ist die Absonderung von Schweiß. Dieser verdunstet auf der Haut, das Blut und dadurch der ganze Körper werden abgekühlt. Mit Hilfe von zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen reguliert das vegetative Nervensystem (Sympathikus) diese Betriebstemperatur.

Schweiß ist außerdem eine wichtige Ausscheidungsmöglichkeit des Menschen.

 

ZUSAMMENSETZUNG

Schweiß besteht aus 99% Wasser, Kochsalz, Harnstoff, flüchtige Fettsäuren, Dermcidin (ein natürliches Antibiotikum, das die Haut gegen Krankheitserreger schützt). Der Säureschutzmantel ist wichtig für die Haut und sollte durch zu häufiges Waschen nicht zerstört werden.

Schweiß ist fast geruchlos, in den Achseln und im Genitalbereich werden auch geruchsaktive Stoffe ausgeschieden -  so erkennt jedes Baby seine Mutter, auch der Mann eine begehrenswerte Frau. Aber durch Bakterienzersetzung entsteht ein unangenehmer Geruch. 

 

EINTEILUNG

Wenn das vegetative Nervensystem auf einem höheren Niveau arbeitet, als zur Konstanterhaltung der Körpertemperatur notwenig ist und vermehrt Schweiß bildet, so spricht man von Hyperhidrose (HH).

1.     gustatorische HH: nach dem Essen bestimmter Nahrungsmittel, scharfer Speisen, heißer Suppen. Beim Auslassen von Mahlzeiten mit gleichzeitiger körperlicher oder geistiger Anstrengung kann eine Unterzuckerung  mit Kaltschweißattacken auftreten.

2.     emotionale HH: bei Angst, Aufregung, Anspannung, Stress. Früher war ein Schweißausbruch in Gefahrsituationen notwendig, denn mit feuchten Händen und Füßen war eine bessere Flucht möglich.

3.     primäre HH: ca. 1% der Bevölkerung leidet an dieser unangenehmen Erkrankung, die erst ab der Pubertät und bei organisch gesunden Menschen auftritt. Die eigentlichen Ursachen für übermäßiges Schwitzen sind bei ihnen unbekannt.

4.     sekundäre HH: eine vermehrte Schweißproduktion wird durch andere Faktoren oder Erkrankungen ausgelöst:

·        Endokrine HH: Hyperthyreose, Klimakterium, Dysmenorrhoe, verschiedene Tumorerkrankungen

·        Neurologische HH: Schädigung des Sympathikus

·        Psychisch bedingte HH: bei manifesten psychischen Erkrankungen

·        Medikamente: Nebenwirkung bei der Einnahme von Hormonen, Parasympathomimetika, Kortikoide, Salizylsäure,…

·        Infektionserkrankungen: Fieber, Malaria, Trichinose,…

·        Fettsucht

 

 

PROBLEME

Durch Schwitzen verliert der Körper viel Flüssigkeit, das Blut wird dickflüssig, der Blutdruck sinkt, Müdigkeit und Schwindel sind die Folge, Gefahr einer Thrombosebildung, Organdurchblutung wird verringert.

Ein nasser Händedruck wird jedem zur Qual, sodass oft der Kontakt zu anderen Menschen abgebrochen wird, außerdem hat man Schwierigkeiten beim Arbeiten mit Papier, Schreibmittel, Werkzeug.

Mit einer durchschwitzten Kleidung kann es leicht zu Erkältungen kommen, besonders in zugiger Umgebung oder bei schwülem Wetter. Nasse Hemden und Hosen reiben unangenehm auf der Haut, die Haut quillt auf, es können schlecht heilende Wunden und Infektionen entstehen. Gut abtrocknen, besonders in den Hautfalten.

Beim Hitzeausschlag bilden sich durch massives Schwitzen Bläschen auf der Haut, weil das Verdunsten des Schweißes durch eng anliegende, nicht atmungsaktive Kleidung verhindert wird. Es kommt zu einem Rückstau des Schweißes in den Schweißdrüsen, auf der Haut treten winzige Knötchen auf, die prall mit Flüssigkeit gefüllt sind und heftig jucken.

Hitzewallungen in den Wechseljahren entstehen durch Hormonumstellungen. Attacken kommen meist plötzlich, oft in Stresssituationen, bis zu 50x am Tag. Sie dauern meist nur kurz, trotzdem sind die plötzliche Hitze und Kribbeln am Oberkörper, Herzklopfen, Schweißausbruch, roter Kopf,…  sehr unangenehm und werden von vielen Frauen störend, sogar peinlich empfunden.

Hitzeschlag ist eine Überbelastung des Wärmeregulatorsystems, wenn die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchtigkeit stark erhöht sind, zusätzlich ist die Wärmeabgabe gestört. Es treten Schwindel, Benommenheit, erhöhter Puls, beschleunigte Atmung auf. Sofort in den Schatten legen, Oberkörper hoch lagern, Kopf mit kalten Umschlägen kühlen, viel Flüssigkeit - besonders Elektrolytlösungen - zum Trinken geben,  Bettruhe.

 

TIPPS

Bei starkem Schwitzen sollte zuerst  abgeklärt werden, ob eine Grundkrankheit die Ursache für dieses Leiden besteht.

·        Weite, atmungsaktive Bekleidung aus Baumwolle, Leinen oder aus einer geeigneten Microfaser.

·        “Zwiebelprinzip”: mehrere dünne Stücke übereinander anziehen, und bei Bedarf eines ausziehen, besser etwas zu kühl, als zu heiß.

·        Vermeiden von scharfen, fetten Speisen. Übergewicht reduzieren.

·        Ausreichend trinken, mehr als zwei Liter täglich: stilles Mineralwasser, verdünnte Fruchtsäfte, kalter Pfefferminztee, Salbeitee, Elektrolytlösungen. Koffeinhaltige und alkoholische Getränke vermeiden (erweitern Gefäße, sodass mehr geschwitzt wird).

·        Bei Hitzeattacken kaltes Wasser trinken, in die frische Luft gehen, Fächer benutzen.

·        Zum Bett eine Thermoskanne mit kaltem Wasser stellen, Baumwollbettdecken benutzen, Schlafzimmer kühl halten, gut lüften. Matratze aus natürlichen Materialien, unter dem Bett sollte es luftig sein, damit die ausgeschwitzte Flüssigkeit abdunsten kann.

·        Vermeiden von Stresssituationen, autogenes Training wirkt sich oft günstig aus.

·        Häufig kühl duschen, nicht zu kalt, denn die Kälte verschließt die Poren der Haut, dadurch kann die aufgestaute Hitze nicht abgegeben werden. Kalte Unterarmbäder (Hände bis zur Armbeuge ins kalte Wasser tauchen) kühlen gut den ganzen Blutkreislauf.

·        Eiswürfel oder kleine Kaltkompressen aus dem Gefrierfach auf Armbeugen, Nacken, Pulsadern der Handgelenke auflegen.

·        Wechselgüsse kalt -heiß: trainieren Gefäße, verbessern Wärmeregulation, Wasser muss kalt sein, nur ein kurzer Guss ist notwendig.

·        Gezieltes Schwitzen mit Sport und Sauna regt Schweißdrüsen an, oft unterbleibt dann Schwitzen in unerwünschten Situationen.

·        Entstehen bei Hitze Schwellungen der Beine, Arme: Massage Richtung Herz.

·        Bei Schweißfüßen oft barfuss laufen, Sohle massieren, um die Aktivität der Schweißdrüsen am Fuß zu reduzieren. Luftige Schuhe verwenden aus Leder, ohne Kunststoff, oft wechseln, einen ganzen Tag auslüften lassen(Einlagen dabei herausgeben)

·        Rasur von Achselhaaren hilft bei unangenehmer Geruchsentwicklung unter den Achseln.

·        Verwendung von Gerbstoffen, Adsorbentien wie Talk, Zinkoxid oder Desodoranten – Vorsicht vor Alkoholgehalt und starken Parfümen!

·        Antitranspirantien meist mit dem Wirkstoff Aluminiumchlorid Hexahydrat verschließen lokal die Drüsenausführungsgänge und senken dadurch die Schweißbildung. Häufige Nebenwirkungen: Hautreizung, Brennen, Jucken – Gehalt an AlCl³(bis 30%) oder Alkohol zu hoch – sofort Hautregion waschen und einige Tage Pause machen. Individuelle magistrale Lösungen oder Gele  kann Ihr Apotheker herstellen! Für die Füße und Hände kann eine höhere Dosierung zubereitet werden, als für die Achseln! Vor dem Bettgehen 3x pro Woche mit Wattebausch dünn auftragen (altes Hemd verwenden, kann Textilien schädigen!). Bei konsequenter Anwendung Erfolge bei Hyperhidrose, drei Monatskuren und dann eine Pause einlegen und eine weitere Kur anschließen.

·        Ionophorese: in ein Salzbad wird Gleichstrom über Elektroden geleitet, das bewirkt eine Verminderung der Schweißdrüsenaktivität durch Koagulation der Proteine in den Drüsenkanälen, gute Erfolge bei Händen, Füßen und Achseln, aber sehr zeitaufwendig.( mindestens zwei Monate, 5x wöchentlich, 30 Minuten lang)

·        Botulinumtoxininjektionen blockieren die Nervenleitungen. Wirken 3-9 Monate gut am behandelten Hautareal, können wiederholt werden.

·        Es gibt auch  verschiedene Operationsmöglichkeiten.

·        Zubereitungen aus Salbei in Kapseln oder Tropfen werden oft mit Erfolg eingenommen. 

·        Andere oral wirkende Medikamente wie Benzodiazepine oder Anticholinergika, werden wegen den gravierenden Nebenwirkungen in der heutigen Medizin abgelehnt.

·        Bei manchen Menschen, die eine erfolgreiche Kur gegen das Schwitzen geschafft haben, stellen sich Phantomschweißausbrüche ein. Aber sie merken dann, dass sie vom Schweiß nicht nass sind, das Nervensystem muss sich erst an die neuen trockenen Umstände gewöhnen!

·        Haben Sie keine Scheu, mit Ihrem Apotheker über Ihr Problem zu reden!

 

 

Schwitzen muss sein

 

Schweiß reguliert die Körpertemperatur des Menschen und scheidet giftige Substanzen aus.

 

Riecht Schweiß?

Schweiß ist fast geruchlos. Er besteht aus 99% Wasser, Salz, Harnstoff, flüchtige Fettsäuren, Dermcidin (ein natürliches Antibiotikum), in den Achseln und im Genitalbereich werden auch geruchsaktive Stoffe ausgeschieden -  so erkennt jedes Baby seine Mutter, der Mann eine begehrenswerte Frau. Erst durch Bakterienzersetzung entsteht ein unangenehmer Geruch!

Zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen sondern Schweiß ab, sodass eine konstante Körpertemperatur aufrechterhalten werden kann. Die Verdunstungskälte kühlt des Blut und damit den ganzen Körper.

 

Probleme im Sommer

Durchschwitzte Hemden und Hosen reiben auf der Haut, die Haut quillt auf, schlecht heilende Wunden und Infektionen entstehen. Gut abtrocknen, besonders in den Hautfalten! Bei Hitze weite, atmungsaktive Bekleidung tragen!

Beim Hitzeausschlag bilden sich durch massives Schwitzen Bläschen auf der Haut, weil das Verdunsten des Schweißes durch beengende Kleidung verhindert wird. Schweiß staut sich in den Drüsen, auf der Haut treten winzige, juckende Knötchen auf, prall gefüllt mit Flüssigkeit.

Eine Überbelastung des Wärmeregulatorsystems kann einen Hitzeschlag auslösen, wenn bei Hitze die Wärmeabgabe gestört ist. Es treten Schwindel, Benommenheit, erhöhter Puls, beschleunigte Atmung auf! Sofort in den Schatten legen, Oberkörper hoch lagern, Kopf mit kalten Umschlägen kühlen, viel Flüssigkeit – vor allem Elektrolyte - zum Trinken geben,  Bettruhe!

Bei Schweißattacken nach dem Essen, bei Angst, Aufregung, bei Infektionen, im Klimakterium…wird mehr Schweiß bildet, als zur Konstanterhaltung der Körpertemperatur notwenig wäre. Der Körper verliert viel Flüssigkeit, das Blut wird dickflüssig, der Blutdruck sinkt, Müdigkeit, Schwindel, Gefahr einer Thrombosebildung sind die Folgen!

 

Kühlende Tipps

Täglich mindestens zwei Liter trinken, aber coffeinhaltige und alkoholische Getränke vermeiden, sie erweitern Gefäße, sodass mehr geschwitzt wird.

Zubereitungen aus Salbei wirken normalisierend auf die Schweißproduktion.

Antitranspirantien (meist AlCl³ H) verschließen lokal die Drüsenausgänge und senken dadurch die Schweißbildung. Häufige Nebenwirkungen: Hautreizung, Brennen, Jucken – Gehalt an AlCl³(bis 30%) oder Alkohol zu hoch!

Deos reduzieren durch antibakterielle Zusätze die Bakterienanzahl in den Achseln, sie wirken neutralisierend auf Schweißgerüche durch Absorber wie Talk oder ZnO, Parfumöle dienen zur Geruchsabdeckung.

Eiswürfel oder kleine Kaltkompressen auf Armbeugen, Nacken, Pulsadern der Handgelenke legen.  Häufig kühl duschen, nicht zu kalt, denn die Kälte verschließt die Poren der Haut, dadurch kann die aufgestaute Hitze nicht abgegeben werden. Wechselgüsse trainieren die Gefäße und verbessern die Wärmeregulation.

Für die Nacht eine Thermoskanne mit kaltem Wasser bereitstellen. Die Matratze sollte aus natürlichen Materialien sein, unter dem Bett sollte es luftig sein, damit die ausgeschwitzte Flüssigkeit abdunsten kann.

 

 

 

Einen schönen sonnigen Sommer und angenehme Monate während des ganzen Jahres ohne Hitzeattacken wünscht ihnen

 Mag. Eva Fellner

 

 

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