Apotipp

Wundversorgung

 

Das Grundprinzip der idealen Wundversorgung lautet: Säubern, Desinfizieren, Abdecken und Fixieren.

 

Die richtige Wundversorgung stellt einen wichtigen Faktor bei der Behandlung von Wunden dar, die der Körper alleine nicht mehr heilen kann.

Der Organismus versucht, die Wunde so schnell wie möglich zu schließen und die Funktion des beschädigten Gewebes wieder herzustellen. Sind nur die obersten Hautschichten betroffen, kann eine vollständige Regeneration eintreten, die das geschädigte Gewebe  völlig gleichwertig wiederherstellt.

Bei einer blutenden Verletzung der Haut laufen immer dieselben Reparaturprozesse ab. Alle Schritte geschehen nahezu gleichzeitig, aber verschieden schnell: Gefäßreaktion, Blutgerinnung, Entzündung und schließlich Gewebeneubildung.

 

Reinigen

Schmutz aus offenen Wunden wird durch Ausspülen mit frischem, kaltem Leitungswasser oder ideal mit einer sterilen Ringerlösung entfernt. Vor allem Bisswunden sollten ausgespült werden, aber auch Schürfwunden. Schnittwunden sollte man ausbluten lassen. Mit einer sterilen Pinzette werden Verunreinigungen entfernt.

Durch die Verletzung wird die natürliche Hautschutzbarriere gegen Erreger zerstört. Keime können nun eindringen und finden in einer Wunde ideale Bedingungen zur Vermehrung.

 

Desinfektion

Die Wunddesinfektion ist vor allem bei der ersten Versorgung von verunreinigten Wunden notwendig, bei Stich-, Schürf- und Bisswunden. Im Verlauf der Wundheilung muss die Wunde nicht desinfiziert werden, vor allem nicht bei chronischen Wunden. Eine infizierte Wunde kann an einer Rötung, Schwellung, Wärme, Eiter und Funktionseinschränkungen erkannt werden.

Polyvidon Jod“ inaktiviert die viele Erreger und tötet sie ab. Bei der Anwendung auf intakter Haut werden geringe Mengen an Jod aufgenommen. Vorsicht bei Schilddrüsenerkrankungen und Kleinkindern! Innerhalb von 7 – 14 Tagen nach der Anwendung ist der Jodspiegel meist wieder normal.

Octenidin hat ein breites Wirkungsspektrum. Die Wirkung auf der Haut und der Schleimhaut tritt nach 30 Sekunden ein. Auch für Säuglinge geeignet, weil es nicht brennt, farblos, jod- und alkoholfrei ist.

Ethanol 70%, Isopropanol 70%, Wasserstoffsuperoxid 3% oder Kaliumpermanganat sind nicht zur Desinfektion von offenen Wunden geeignet.

 

Abdecken und Fixieren

Bei oberflächlichen Wunden reicht ein normales Pflaster. Für Menschen mit empfindlicher Haut gibt es hypoallergene Produkte. Mit Silber- oder Aluminiumionen beschichtete Wundauflagen verkleben nicht mit Wundsekret, Silberionen wirken zusätzlich keimtötend. Tiefere Wunden benötigen eine Wundauflage, die Blut und Sekret aufnehmen kann. Praktisch sind auch Momentverbände, weil sie gleichzeitig fixieren. Bei stark blutenden Wunden Druck ausüben, um die Blutung zu stoppen! Platzwunden, die länger als 1 cm sind, müssen genäht werden.

Hydrogelpflaster halten die Wunde feucht und saugen zugleich entstehendes Wundsekret auf. Eine Austrocknung der Wunde und die Schorfbildung werden dabei vermieden, da dies die Heilung verzögern würde. Diese Spezialpflaster werden besonders gerne in der Versorgung schlecht heilender Wunden (z.B. offenes Bein) verwendet.

 

Keine Wundsalbe und Wundpuder auf offene Wunden geben! Sie werden erst nach der Krustenbildung verwendet, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Viele Wundsalben wirken zusätzlich antiseptisch. Antibiotische Wundsalben sollten heute wegen zu vielen Resistenzen nicht mehr verwendet werden.

Dexpanthenol wird enzymatisch zu Pantothensäure umgewandelt, die als Bestandteil von Coenzym A eine Schlüsselrolle im Zellstoffwechsel der Haut einnimmt. Hyaluronsäure regt die Neubildung von Blutgefäßen an, fördert die Gewebeneubildung. Pflanzliche Wirkstoffe aus Calendula, Hamamelis, Sonnenblume, Kamille oder Arnika wirken an der Oberfläche heilend, manche helfen auch gegen Schwellungen und Entzündungen, sie eignen sich deshalb besonders gut zur Behandlung von Quetschwunden. Zusätze von Zinkoxid helfen zur schnelleren Regeneration von zerstörtem Gewebe. Lebertran pflegt die Haut und fördert das Gewebewachstum.
Brandwunden rasch unter frisches, kaltes Wasser halten! Verbrennungen infizieren sich leicht, daher die betroffene Stelle durch einen locker angelegten sterilen Mullverband schützen. Schaumsprays wirken kühlend und heilend. Keine Salben oder Puder auf frische Verbrennungen geben! Dagegen ist die Anwendung geeigneter Gels hilfreich.

 

Homöopathische  Hilfen zur rascheren Wundheilung und Anregung der Selbstheilungsprozesse:

Arnica D6: bei blutenden Wunden, Bluterguss, Schwellung des Gewebes

Delphinium Staphisagria D6: Schnittwunden durch scharfe Messer, Glasscherben, nach Operationen, Kaiserschnitt, Dammschnitt

Ledum D6: Stichverletzungen durch Insekten, Pflanzen, Nägel oder Bisswunden

 

Primäre Wundheilung

Wunden, die primär abheilen, haben glatte Wundränder. Die Ränder liegen nah beieinander, die Wunde ist sauber und nicht mit Keimen oder Fremdkörpern verunreinigt. Sie enthält kein totes Gewebe. Außerdem ist das Gewebe um die Wunde herum gut durchblutet. Schnelle Heilung in 4-6 Tagen.

 

Sekundäre Wundheilung

Die sekundäre Wundheilung tritt bei großflächigen Gewebeverlusten auf. Das kann z. B. bei Hundebissen oder bei starken Verbrennungen der Fall sein. Eine solche Wunde kann nicht vernäht werden. Sie muss vom Grund her "zuwachsen". Die Heilung einer solchen Wunde dauert Wochen bis hin zu Monaten. Außerdem ist sie anfällig für Infektionen.


Regenerative Wundheilung

Oberflächliche Wunden, bei der nur die Epidermis und Teile des Cornius verletzt sind, heilen regenerativ. Bleiben die Basalzellen der Epidermis erhalten, so kann sogar eine vollständige Regeneration eintreten. Das bedeutet, dass sich die Haut ohne Narbe genau so neu bildet, wie sie vorher war. Zuletzt ist kein Unterschied mehr zu erkennen. Das ist z. B. bei leichten Schürfwunden der Fall.  Alle anderen Wundformen heilen reparativ, d. h. das neu gebildete Gewebe entspricht nicht genau dem Gewebe, das durch die Wunde verletzt wurde. Es bildet sich eine Narbe.

 

Chronische Wunden
Wenn es zu einem besonders großen Verlust von Haut und Gewebe kommt, ist oft auch die Funktionalität des Gewebes und dessen Durchblutung gestört. Die Folge können so genannte chronische Wunden sein. Diese Art von Wunde heilt verzögert und weist eine ausgedehnte Narbenbildung auf.
Neben der bereits erwähnten Ursache können chronische Wunden durch Infektionen oder andere äußerlich bedingte Wundheilungsstörungen auftreten. Die drei bekanntesten Formen der chronischen Wunde sind der offene Fuß, das so genannte Wundliegen und der diabetische Fuß.


Bei jeder Wunde sollte auch immer an einen aktuellen Tetanusimpfschutz gedacht werden.