APOTIPP

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitung „Der Neue Apotheker“ erscheinen.

 

SCHWINDEL- alles dreht sich!  

 

Viele Menschen - besonders ältere - leiden häufig unter unangenehmem Schwindel (Vertigo), der nur als ein Symptom für eine tiefer liegende Störung auftritt.  Die Ursachen dafür reichen vom lustigen  Sich- Drehen eines Kindes bis zum lebensgefährlichen Hirntumor. Es gibt 386 verschiedene Schwindelformen, aber bei 90% der Betroffenen werden nur 10 verschiedene Diagnosen gestellt.

 

Der Gleichgewichtssinn

An der Gleichgewichtswahrnehmung nehmen einige Sinnesorgane teil, die ein genaues Zusammenspiel erfordern, damit die richtigen Nervenimpulse zu verschiedenen Gehirnzentren weitergeleitet werden können und dadurch eine ungestörte Orientierung im Raum möglich wird.

  1. Vestibuläres System: Gleichgewichtsapparat im Innenohr. Die drei Bogengänge sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, die bei Bewegungen des Kopfes in Fluss gerät. Härchen, die in die Flüssigkeit reichen, werden erregt und diese Impulse an das Gleichgewichtszentrum im Stammhirn weitergeleitet.

2. Visuelles System: Das Auge vermittelt ein Abbild der Umwelt.

  1. Sensibles System: In Gelenken, Muskeln sind Fühler (Propriorezeptoren), die über die Lage des Körpers im Raum, den Kontakt zum Boden informieren.

Wenn die Informationen von diesen Sinnesorganen unkoordiniert zum Gehirn gelangen, tritt dort das Gefühl „Schwindel“ auf, obwohl die Ursache in einem anderen Teil des Organismus liegt. Als Folge von Vertigo können noch Übelkeit, Taumeln, Schwarzsehen, Schweißausbrüche... dazukommen.

Die Gehirnzentren der Raumorientierung sind eng mit dem limbischen System verbunden, woraus sich Zusammenhänge von Schwindel und Angst ergeben.

 

Einteilung

Nach Dauer:

  1. Sekundenschwindel (Lagerungsschwindel): oft nur Sekundenbruchteile
  2. Anfallschwindel: Minuten bis Stunden
  3. Dauerschwindel: Tage bis Woche

 

Vielfältige Ursachen

 

Störungen im vestibulären System

  1. Harmloser, nicht organischer Drehschwindel entwickelt sich erst beim Stehen bleiben nach intensiven Drehungen, weil sich die Flüssigkeit im Innenohr noch weiterbewegt. Dadurch entstehen im Gehirn  Meldungen einerseits des Auges und der Körperwahrnehmung (Ruhe), andererseits des Gleichgewichtsorganes(Bewegung), die nicht zusammen passen.
  2. Krankhafter Drehschwindel:

3. Lageabhängiger Schwindel:

 

Störungen im visuellen System

1.     Höhenschwindel: In der Ebene erkennen die Augen Schwankungen des Körpers durch Veränderung naher Fixierungspunkte. Diese fallen in großer Höhe aus, weil sie zu weit weg sind. Eine Angstreaktion, in die Tiefe zu fallen, kommt noch dazu.

2.     Nystagmus: krankhafte, nicht kontrollierbare Augenbewegungen

3.     Brillenschwindel: anfängliche Unsicherheit bei neuen Augengläsern mit einer anderen Brechkraft der Linsen.

 

Störungen im sensiblen System

1.     Eine gestörte Körperwahrnehmung vor allem der Füße (z.B. bei Polyneuropathie) führt zu Schwindelgefühlen mit Gangunsicherheiten besonders im Dunklen, wenn auch der visuelle Sinn ausfällt.

2.     Erkrankung der Halswirbelsäule führt oft zu einer Verspannung der Nackenmuskulatur, die wichtig ist für das Gleichgewichtsgefühl, eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns kann zusätzlich Schwindel hervorrufen. 

 

Störungen in den Gehirnzentren

 

Schwindel bei Reisekrankheit

Während einer Reise mit dem Schiff, Auto oder Flugzeug nimmt das vestibuläre Gleichgewichtssystem die Fahrbewegung wahr, das Auge aber bemerkt im Inneren keine Bewegung. So kommt es zu Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Blässe, kaltem Schweiß,…

 

Schwindel bei Herz- Kreislauferkrankungen

Mangelnde Durchblutung des Gehirns durch Blutdruckabfall, erhöhten Blutdruck, Herzrhythmusstörungen,…bewirken Schwindel mit Benommenheit, Standunsicherheit, Ausfall des Sehsinnes oder der Ohren,…

Wenn der Schwindel mit Seh-, Sprech- oder Bewegungsstörungen der Arme und Beine einhergeht, so kann das ein Zeichen eines beginnenden Schlaganfalles sein! Dieser Notfall sollte sofort von einem Arzt untersucht werden!

 

Schwindel durch Alkoholismus

Alkohol bewirkt eine Hemmung im Kleinhirn (Feinabstimmung von Auge- und Körperbewegungen) und eine Veränderung in den Bogengängen, sodass bei einem Alkoholrausch der schwankende Gang, Standunsicherheit, Schwindel, unkontrollierte Bewegungen- auch der Zunge- erklärbar sind. Alkohol wirkt auch gefäßerweiternd und führt zu Blutdrucksenkungen, dadurch kommt es zu einer Verstärkung des Schwindels.

Durch Konditionierung können diese Symptome auch bei Abstinenz auftreten, diese lästigen Zustände werden dann oft wieder mit Alkohol bekämpft, sodass alles nur noch schlimmer wird.

 

Nebenwirkung von Medikamenten

1.     Antibiotika: beeinflussen das Gleichgewichtsorgan

2.     Antiepileptika, Tranquillizer: Stören Funktionen im Kleinhirn

3.     Psychopharmaka, Schmerzmittel, Muskelrelaxantien, Antihistaminika: Dämpfen das ganze Gehirn.

4.     Diuretika, Antihypertensiva, Antivertiginosa: Mindern die Sauerstoffversorgung im Gehirn.

5.     Andere Medikamente: Kortikosteroide, Appetitzügler, Digitalismittel,…lösen auf verschiedene Arten Schwindel aus.

Um die Nebenwirkungen von Medikamenten zu verringern, empfiehlt es sich, dem Körper Zeit zur Anpassung zu geben, keine rasche Dosiserhöhung vornehmen, eventuelle Überdosierungen mit dem Arzt besprechen.

 

 Psychogener Schwindel

1.     Schreckreaktionen können zu Angstschwindel („ weiche Knie“) führen, weil das parasympathische Nervensystem in diesen Situationen dominiert.

2.     Psychische Probleme (Angst, Depression,…), private Probleme (Trennungen, berufliche Konflikte...) führen oft zu Schwindel, obwohl keine Anzeichen einer Störung der Gleichgewichtsorgane vorhanden sind. „ der Boden unter den Füßen wird weggezogen…“

3.     Bei jüngere Menschen ist „phobischer Schwankschwindel“ häufige die Ursache einer Gang- und Standunsicherheit, sie konzentrieren sich zu sehr auf  den Gleichgewichtssinn, sodass es aus dem Gleichgewicht gerät.

 

 

Therapie

Bevor symptomatisch „der Schwindel“ behandelt wird, sollte ein Arzt die Grundkrankheit diagnostizieren und die auslösenden Ursachen behandeln.

Medikamente, die bei einer Schwindelattacke schnell helfen, gibt es nicht. Es können nur die Symptome wie Übelkeit, Angst,... rasch bekämpft werden und eine verbesserte Gehirndurchblutung erreicht werden.

 

 

Tipps

 

Ich hoffe, dass Ihnen beim Lesen nicht „schwindlig“ geworden ist, sondern, dass sie bald wieder „mit beiden Beine im Leben“ stehen werden.

Mag. Eva Fellner

 

www.apotipps.at.tt

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