Apotipp

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitung „Der Neue Apotheker“ erscheinen.

Stille Gefahr für Mutter und Kind

Schwangerschaftsbedingte Hypertonie

 

Bluthochdruck tritt bei Frauen meist erst nach den Wechseljahren auf. Ein mehrfach gemessener Blutdruck über 140/90 mmHg sollte behandelt werden. Diesen Grenzwert erreichen aber etwa 10% der schwangeren Frauen, bis zu 15% der Erstgebärenden. Eine Früherkennung und Behandlung von Blutdruckveränderungen bietet den bestmöglichen Schutz vor einem ungünstigen Verlauf in der Schwangerschaft.

 

Gefahren

Schwangerschafts-Hypertonie verursacht keine Beschwerden, bei stark erhöhten Werten können jedoch Schwindel, Ohrensausen, verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen, Herzbeschwerden bemerkt werden.

Wenn bei einer schon vor der Schwangerschaft bestehenden Hypertonie eine Erhöhung der Werte um 30 mmHg systolisch oder 15 mmHg diastolisch gemessen werden, oder, wenn ab der 20 Schwangerschaftswoche mehrfach Blutdruckwerte höher als 140/90 mmHg gemessen werden, besteht ein hohes Risiko für Mutter und Kind.

Im Zug einer Schwangerschaft nimmt das Blutvolumen um etwa 40% zu. Oft treten Schädigungen der inneren Gefäßschichten auf, der periphere Widerstand steigt unphysiologisch an. Die nicht mehr durchlässigen Gefäße der Plazenta behindern eine freie Blutzirkulation zwischen Mutter und Kind. Der Blutdruck steigt. Regelmäßige Blutdruckkontrollen zu den gleichen Tageszeiten, immer im Sitzen müssen gemacht werden. Bei Nichtbehandlung wird das Kind durch die Mangelversorgung im Mutterleib geschwächt, Frühgeburten, sogar Totgeburten können die Folge sein. Nach der Geburt sind dieser Kinder krankheitsanfälliger.

Nur bei einem kleinen Bruchteil der betroffenen Frauen bleibt es bei einer isolierten Hypertonie!

Treten nach der 20. Schwangerschaftswoche zusätzlich Ödeme auf, weil der periphere Widerstand der Gefäße noch weiter steigt, aber die Gefäße nun extrem durchlässig werden, so verliert der Kreislauf viel Volumen an das Gewebe. Das Gewicht steigt über 1kg pro Woche an! Dieses Krankheitsbild wird „Präeklampsie“ auch EPH-Gestose (Edema, Proteinurie, Hypertonie) oder Toxikose genannt. Darunter versteht man Hypertonie, Wassereinlagerungen im ganzen Körper und Eiweißausscheidung im Harn (Proteinurie). Je früher eine Präeklampsie in der Schwangerschaft auftritt, desto schwerer verläuft sie. Eine Mangelversorgung des Kindes bis zu einer gefährlichen Plazentaablösung können die Folgen sein.

Eine Sonderform der Präeklampsie ist das „HELLP-Syndrom“, bei dem es zusätzlich zur Auflösung von roten Blutkörperchen, zu einem Verlust von Blutblättchen und zu einer Leberschädigung kommt. Charakteristisches Symptom: Akute rechtsseitige Oberbauchschmerzen! Das Kind zeigt eine bis zu 50% Wachstumretardierung, 10-40% der Kinder sterben im Mutterleib! Der Name HELLP-Syndrom leitet sich von den englischen Begriffen für die Hauptsymptome ab:
Hämolysis = Auflösung der roten Blutkörperchen
Elevated Liver enzymes = Erhöhung der Leberwerte
Low Platelet count = Verminderung der Thrombozyten

Eine unbehandelte Präeklampsie führt bei schweren Verlaufsformen zu „Eklampsie“ mit blitzartig auftretenden Krampfanfällen der Mutter, Nierenschäden, Leberblutungen, Bewusstlosigkeit. Sogar der Tod der Mutter kann eintreten!

Regelmäßige Blutdruckkontrollen im Zuge der Mutter-Kind-Pass Untersuchungen, bzw. bei einem ansteigenden Blutdruck öfter sind ein wichtiger Schritt zur Früherkennung der Schwangerschafts-Hypertonie und die Vermeidung von gefährlichen Folgen.

Bei Risikoschwangerschaften sollte der Blutdruck selbst am Morgen und Abend gemessen werden. Wenn am Abend die Werte meistens höher sind als am Morgen, kann dies ein Hinweis auf die Entwicklung einer Präeklampsie sein.

 

Ursachen und Risikofaktoren einer Schwangerschafts-Hypertonie

 

Behandlung

 

Tipps

 

Pressemeldung 8.9.2006

Wie nun bekannt wurde, haben amerikanische Forscher vom National Institute of Child Health and Human Development in Bethesda, Maryland eine mögliche Methode zur Früherkennung von Präeklampismus gefunden. Bei einer Studie, an der 552 Schwangere teilnahmen, wurden bei potenziell gefährdeten Frauen erhöhte Werte der Proteine Soluble Endoglin und sFlt1 festgestellt, welche für Risse in den Blutgefässen verantwortlich sind.

Durch simple Bluttests, welche sich auf diese Proteine konzentrieren, könnten gefährdete Schwangere identifiziert und schon früh medizinisch überwacht werden. Weiters hoffen die Forscher, dass man mit dieser Methode in Zukunft Symptome und Anfälle von Präeklampsie von anderen Krankheiten wie Epilepsie unterscheiden kann. Aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung hoffen die Forscher auch ein endgültiges Heilmittel, das für die Mutter und das Kind verträglich ist, zu finden.

 

Jede schwangere Frau sollte zu den regelmäßigen Kontrollen zum Arzt gehen, und auf Schwellungen im Gesicht oder Händen achten, damit keine gefährlichen Entwicklungen übersehen werden.

Mag. Eva Fellner

www.apotipps.at.tt

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