APOTIPP

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Der Neue Apotheker“  erschienen.

REIZDARM –Ein Ständiges Hin Und Her

Das Reizdarmsyndrom (RDS) oder „Colon Irritable“ zählt zu den häufigsten funktionellen Störungen im Bereich des Gastrointestinaltrakts, aber nur 20% der Betroffenen reden mit einem Arzt darüber oder suchen ein Gespräch mit dem Apotheker. Die Beschwerden beeinträchtigen stark das Alltagsleben, sie äußern sich in immer wiederkehrenden Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen,...

 

Ursachen

Organische Krankheitsauslöser für dieses Syndrom sind nicht erkennbar, sodass der Arzt eine Ausschlussdiagnose stellt.

Meist wirken mehrere Faktoren zusammen:

Im Darm regelt ein eigenes Nervensystem (enterisches NS) die Transportfunktionen der Darmmuskulatur, eine gestörte Reizübertragung durch bestimmte Substanzen im Darm könnte die Ursache für die Motilitätsstörungen sein.

 

Symptome

Gestörte Peristaltik, Gestörte Verdauung, Gestörte Psychosomatik

Wenn diese Symptome innerhalb eines Jahres während insgesamt 12 Wochen auftreten und keine anderen Ursachen für diese Beschwerden zu finden sind, kann die Diagnose „Reizdarm“ gestellt werden. Der Arzt muss unbedingt genaue Untersuchungen des Magen- Darmtraktes durchführen. Reizdarm verursacht nämlich ähnliche Beschwerden wie ernsthafte Darmerkrankungen - z.B. Entzündungen des Darms (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).

Sollte ein Blutabgang im Stuhl, Gewichtsverlust oder Fieber auftreten, muss unbedingt der Arzt aufgesucht werden!

 

 

Tipps und Behandlungsmethoden

9.     Viele kleine Portionen sind besser als wenige große! Gut Kauen! Nicht unnötig Luft hinunterschlucken! (passiert bei hastigem Essen, kohlesäurehaltigen Getränken)

Stressabbau:  

1.    Eine normale Defäktionsrate ist zwischen 2x pro Woche und 3x täglich normal!

2.    Besonders in der Früh für Ruhe sorgen, auch genügend Zeit für den „Toilettenbesuch“ einplanen!

3.    Entspannende Musik,  innere Balance finden durch Ruhe, Entspannungsübungen (Yoga, Autogenes Training...)

4.    Atemübungen: vor dem offenen Fenster gleichmäßig und tief in den Bauch hineinatmen.

5.    Kreisende Massagen auf dem Bauch entspannen die Krämpfe.

6.    Wärme durch eine heiße Wärmeflasche oder Wärmepflaster wirken wohltuend und entkrampfend. Leibwickel: Tuch mit warmem Wasser tränken, auf Bauch legen, mit Decken gut abdecken und 30 Minuten rasten.

7.    Entspannungsbäder mit Lavendel- oder Melissenzusätze

8.    Angst, Konflikte, Stress sind nicht die Ursachen, können aber die Beschwerden vergrößern.

9.    Psychotherapie

10.                      50% der Patienten sprechen auf eine Placebotherapie an, wenn das Arzt– Patienten Verhältnis gut ist.

Bewebungstherapie: besonders nach dem Essen, Gymnastik, Spaziergänge, Rad fahren aktivieren den Darm, regelmäßige körperliche Bewegung lindert oft die Beschwerden.

Laktoseintoleranz: häufig ein Grund für Reizdarmprobleme.

Den Patienten fehlt das Milchzucker verdauende Enzym Laktase, das Laktose in Glukose und Galaktose spaltet. So bleibt der Milchzucker im Darm, nimmt osmotisch Wasser auf, ein Durchfall entsteht. Meiden von Milchprodukten, nur kleine Mengen von Joghurt, Butter oder gereiftem Käse (enthalten wenig Laktose) essen. Bei leichtem Laktase– Mangel kann es, in Kapsel gepresst, ersetzt werden. Vielen Menschen fehlt dieses Enzym, besonders vielen Asiaten, sodass in der östlichen Küche keine Milchprodukte verwendet werden.

Kohlenhydratresorptionsstörungen: speziell bei Fructose

Wenn Fructose nicht ausreichend aus dem Dünndarm resorbiert wird, gelangen große Konzentrationen in den Dickdarm. Dort wird der Fruchtzucker von Darmbakterien aufgenommen und vermehrt CO² gebildet. Blähungen, Bauchkrämpfe, Darmgeräusche, plötzlicher Stuhldrang mit Schleim treten auf. Sollte dieser Fermentationsprozess bereits im Dünndarm stattfinden, so tritt oft gleichzeitig eine Tryptophanmalabsorption auf, die zu einem Serotoninmangel führt und Depressionen erzeugen kann.

Vermeiden von Fruchtzucker! Obst ist verträglicher, wenn gleichzeitig Glukose eingenommen wird. Saccharose wird normal resorbiert.

 Gluten-Allergie: Zöliakie:

In den letzten Jahren wird diese Allergie häufiger im Erwachsenenalter diagnostiziert. Das industriell hergestellt Brot enthält immer größere Mengen an Proteinen, damit das Brot luftiger wird. Deshalb wird auch viel mehr Gluten (Klebereiweiß) zu sich genommen, das für Autoimmunerkrankungen im Darm verantwortlich ist. Eine glutenarme, oder sogar freie Diät einige Wochen lang bessert meist die Reizdarmbeschwerden.

 

Medikamente

 

Einige interessante Fakten zum Darm

Der Mensch ist aus 10 hoch13 Zellen aufgebaut. (1Billiarde)

Im Darm eines Erwachsenen leben ca. 10 hoch 14 Mikroorganismen. (10 Billiarden)

Das heißt: der Mensch besteht aus 10% menschlichen Zellen und 90% Bakterien!

Der ganze Verdauungstrakt vom Mund bis zum After ist beim erwachsenen 8-10 Meter lang.

Ausgebreitet ist die Darmschleimhaut etwa so groß wie ein Fußballfeld 300m².

Mehr als100 Millionen Nervenzellen im gesamten Verdauungstrakt schicken ununterbrochen Meldungen ans Gehirn.

Während einer Lebenszeit von 70 Jahren müssen der Magen und Darm 20 Tonnen Fremdeiweiß verdauen.

 

 

Ein Reizdarm beeinträchtigt meist einige Jahre stark die Lebensqualität, es gibt Hilfen mit diesen Problemen besser zurechtzukommen. Reden Sie mit uns Apotheker oder dem Arzt. Die Forschung bemüht sich auch neue Arzneimittel dagegen zu entwickeln. Jedenfalls muss niemand die Angst haben, dass aus dieser Krankheit Krebs oder eine Entzündung entstehen wird.

Wenn Sie über die chronische Darmentzündung Morbus Crohn etwas nachlesen wollen, so besuchen Sie doch meine Homepage: MorbusCrohn oder Obstipation

Ich würde mich sehr freuen, Mag. Eva Fellner

 

 

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