APOTIPP

Narben sind endgültig -aber nicht unveränderlich   

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „DAN – Der Neue Apotheker“ erschienen.

   

Narbenbehandlung

 

„Skarifizierung“ bezeichnet man das bewusste Schneiden von Narben in die Haut. In der schwarzen Bevölkerung Afrikas besonders des Sudans gelten hervorstechende Narben als Körperschmuck, Klanzugehörigkeit, Initiation in das Erwachsenenleben. Im Westen werden einerseits in bestimmten Jugendkulturen Narben als Körpermodifikation geschnitten, andererseits können Narben ein selbstverletzendes Verhalten bei psychischen Störungen darstellen. In unserem Kulturkreis wird aber eine Narbe meist als ein Störfaktor betrachtet. Sie erinnert, oft für jeden sichtbar, an Wunden, Schmerzen, Erkrankungen, Operationen, wird als Makel empfunden, sodass oft ein Rückzug des Patienten aus seiner Umwelt erfolgt. Außerdem können Narben, z.B. bei Temperatur-Schwankungen, erhebliche Schmerzen verursachen.

 

Eine Narbe (lat. cicatrix) ist ein derbes faserreiches, aber zell- und gefäßarmes Gewebe. Es ersetzt bei der Wundheilung verloren gegangenes Körpergewebe, das die ursprünglichen Aufgaben der Haut wie Schwitzen oder Bildung einer Gänsehaut nicht mehr ausüben kann.

 

Verletzungen der Haut

o       Mechanische Verletzungen: Schnitt-, Stich-, Quetsch-, oder Bissverletzungen

o       Hitzeeinwirkung: Verbrennen, Verbrühen

o       Chemische Verletzungen: Verätzung

Wird nur die oberste Hautschicht (Epidermis) verletzt, kann der entstandene Defekt durch einen gleichartigen „Zellersatz“ regeneriert werden.

Bei tieferen Hautwunden kann der Körper nur reparieren, eine komplette Heilung ist nicht möglich.

Je besser eine Wunde versorgt wird, desto schöner ist der Heilungserfolg und geringer ist die Narbenbildung.

Zuerst wird die Wunde mit einem Blutgerinnsel verschlossen und dann von innen mit Bindegewebe aufgefüllt – die Narbe entsteht.

Eine Narbe unterscheidet sich in Funktion und Aussehen von der sie umgebenden Haut. Sie ist rot, später weiß, bleibt heller als die Haut rundherum. Bevor eine Narbe nicht abgeblasst ist, ist die Narbenbildung noch im Gang. Das Narbengewebe ist geringer durchblutet, enthält weniger Wasser. Haare, Talg- oder Schweißdrüsen fehlen, sowie Melanozyten, sodass die Narbe nicht bräunt. Dieses Ersatzgewebe hat weniger elastische Fasern (Collagen), so dass es zu Schrumpfungen und Verhärtungen kommen kann.

 

Narbenarten

 

Verhaltensmaßnahmen bei frischen Narben

·        Mindestens ein halbes Jahr sollten die Narben keinen starken Temperaturreizen ausgesetzt werden. Das neue Gewebe würde sonst negativ in seiner Narbenbildung und Regeneration gestört. Mit einem starken Sonnenschutzfaktor die Narbe vor intensiver Sonnen- und UV-Bestrahlung schützen.

·        Auch kalte Temperaturen können sich schlecht auf die Heilung auswirken.

·        Wunden ruhig stellen, schonen

·        Vermeiden von engen oder scheuernden Kleidungsstücken. Das Narbengewebe ist anfänglich dünner und empfindlicher als die gesunde Haut und kann auf Reizungen mit Rötungen und Verhärtungen reagieren.

·        Darauf achten, dass das Narbengewebe nicht erneut verletzt wird. Die Heilungschancen sind ungünstiger, weil eine bereits geschädigte Haut sich nicht mehr so gut regenerieren kann.

·        Relativ glatte Narben im Gesicht, am Hals oder im Dekolleté-Bereich lassen sich durch Schminken (Camouflage, frz. „Verschleiern“) z. B. für einen Abend kurzfristig abdecken.

 

Behandlung von Narben

Aknenarben, starke Narbenwülste sollte der Arzt behandeln

o       Kryotherapie, Laser-Behandlung oder Unterspritzung mit Cortison sind erfolgreich. Auch eine operative Entfernung einer Narbe ist in bestimmten Fällen möglich.

 

Narben als seelisches Problem

Eine straffe, gesunde Haut steht seit jeher für Jugend und Schönheit. Eine gesunde Haut unterstützt unser Selbstbewusstsein.

Betroffene, die z. B. nach einem Unfall eine auffällige Narbe im Gesicht haben, können diese plötzliche kosmetische Beeinträchtigung oft nicht akzeptieren, das Selbstbewusstsein wird erheblich beeinträchtigt. Sie meinen, dass die Narbe gut versteckt werden muss, oftmals wird der Kontakt zu anderen Menschen bewusst vermieden. Der Betroffene zieht sich zurück, in ihrem Bewusstsein: „Hüte dich vor den Gezeichneten!“

Aber, es gibt Hilfen für unangenehme Narben!

 

        Mag. Eva Fellner