DAS „AUS“ FÜR DIE LAUS

Schon viele Kinder haben Läuse nach Hause gebracht,  jede Familie hat sie noch ausrotten können

 

  Als Plüschtier sind die Läuse sehr kuschelig, in natura will sie sicher niemand.

Trotz moderner Hygiene sind sie noch nicht ausgestorben und verursachen eine Menge Arbeitsaufwand, wenn man sie wieder loswerden will.

 

  Die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) ist ein etwa 3mm großes (wie ein Sesamkorn), flügelloses Insekt. Ihre Färbung passt sich der Haarfarbe an, die Tiere sind sehr schnell, sodass man sie nur schwer finden kann. Sie leben besonders gerne hinter den Ohren oder im behaarten Nackenbereich, wo ihre Lieblingstemperatur von 28-29 Grad herrscht. Mit ihren sechs Beinen klammern sie sich gut an den Haaren fest und saugen mit ihrem Stechrüssel mehrmals täglich Blut aus der Kopfhaut. Speichelsekrete rufen Juckreiz hervor.  Durch Kratzen kann eine bakterielle Infektion und Ekzeme entstehen. Auf der Kopfhaut eines infizierten Kindes leben durchschnittlich zehn bis einhundert  Tiere. An den Haaransätzen legen die Weibchen täglich ihre 2-8 Eier in den so genannten Nissen ab, die 1mm groß sind - weiß wie Schuppen  - sie lassen sich aber nicht wegwischen, sondern kleben mit einer Chitinsubstanz fest an dem Haaransatz. Nach etwa einer Woche schlüpfen die Larven, die Nissen bleiben leer zurück, sie kleben weiter an den Haaren und wachsen mit den Haaren nach oben aus. Sind die Nissen einige Zentimeter von der Kopfhaut entfernt, so sind sie sicherlich leer. Die Larven werden nach etwa 10 Tagen geschlechtsreif. Der gesamte Zyklus von Ei zu Ei dauert 18-21 Tage, je wärmer umso schneller. Ein Weibchen kann bis zu 300 Eier innerhalb ihrer 40 Tage dauernden Lebenszeit legen! In der warmen Jahreszeit läuft die Entwicklung schneller ab. Läuse können nicht springen, sie klettern von einem Kopf zum anderen, von einer Haube zur nächsten. Eine Übertragung durch gemeinsam benutzte Haarbürsten, Kämme, Kopfpolster, Kopfstützen im Bus ist ebenfalls möglich. Der Mensch ist aber der einzige Wirt und das schon seit vielen Millionen Jahren. Haustiere übertragen keine Läuse. In unseren Breiten verbreiten Läuse keine Krankheitserreger!

 

Wenn Kinder von Kopfläusen befallen sind, muss die Schule bzw. der Kindergarten informiert werden, damit alle Mitschüler rechtzeitig untersucht werden. Einen Befall gibt aber niemand gerne zu, deshalb sind die Läuse so schwer auszurotten. Als oftmals einziger Ansprechpartner sind wir Apotheker gefordert,  gegen negative Vorurteile und Stigmatisierung aufzutreten. Kopflausbefall hat nichts mit fehlender Hygiene zu tun! Er betrifft am häufigsten Kinder im Alter von 3-11 Jahren, unabhängig vom sozialen Status.

 

Behandlung mit Lausshampoo oder Lausspray:

Der Schaum des Lausshampoos muss das gesamte Haar gut benetzen, vor allem aber auf dem Bereich Hinterkopf und hinter den Ohren. Meist sollte mit dem Lausshampoo zweimal hintereinander gewaschen werden. Die Einwirkzeit 5 -30 Minuten richtet sich nach dem jeweiligen Produkt! Immer aber ist eine dreimalige Behandlung notwendig, um alle Entwicklungsstadien der Läuse und Nissen zu beseitigen. Und zwar nach dem Schema 1., 3. und 9. Tag, wobei der letzte Termin unbedingt eingehalten werden muss, weil bis zum 8. Tag noch Larven nachschlüpfen und ab dem 11. Tag die jungen Weibchen wieder geschlechtsreif sind und neue Eier ablegen!

 

Chemische Behandlung: die Substanzen führen zu einer Übererregung der Nerven, zu Krämpfen und zu einer Lähmung, sodass die Parasiten sterben. Sie wirken jedoch tödlich nur begrenzt auf  Läuseeier, sodass sogar schon am Tag nach der Behandlung neuerlich Insekten festgestellt werden können!

Pyrethrumextrakte wirken neurotoxisch auf  Insekten, auch auf  Fische! Als Nebenwirkung wird ein Brennen der Kopfhaut festgestellt. In einer Untersuchung in Wales bei 3000 Schülern konnten in mehr als 80% der Fälle Resistenzen gegen Pyrethroide nachgewiesen werden. Dabei zeigt eine DNA-Analyse der Tiere, dass es zwei verschiedene Typen von Läusepopulationen gibt, wovon jene mit Resistenzen gegen das Insektizid (82%) deutlich in der Mehrzahl war.

Permethrin: wirkt länger, weil es langsamer abgebaut wird. Leider bemerkt man auch hier eine zunehmende Entwicklung von Resistenzen. Laut Beipack kann diese Substanz bereits im Alter von 3 Monaten angewendet werden. Allerdings sollten Babys immer nur nach einer Kontrolluntersuchung vom Arzt mit Insektiziden behandelt werden.

Malathion: vernichtet sowohl Eier als auch lebendige Läuse, allerdings haben viele Lauspopulationen  auch schon Resistenzen entwickelt, sodass in Deutschland und der Schweiz die Malathion-Präparate vom Markt genommen wurden.

Carbaryl ein Carbamat-Insektizid: geringe Toxizität in der 1% Lösung für den Menschen

Laut EU Richtlinie muss Lindan Ende 2007 vom Markt genommen werden, weil Nervenschäden und bei Kindern sogar Krampfanfälle auftraten.

Keine vorbeugende Behandlung mit diesen chemischen Shampoos, das würde die Ausbildung von Resistenzen weiter fördern. Nur wer wirklich Läuse hat und mit infizierten Köpfen in Kontakt war, soll behandelt werden!

 

Physikalische Behandlung: die Läuse werden erstickt

Silikonöle, Dimeticon, Niemöl, Anisöl oder Kokosöl haben eine geringe Oberflächenspannung und gute Kriecheigenschaften, sodass die Öle in die Atemöffnungen der Läuse (sogar bei den Larven in den Eiern) eindringen, sie dauerhaft verschließen und die Tiere ersticken. Die Nissen werden auch in ihrer Entwicklung gehemmt. Die Öle sind völlig ungiftig, Resistenzen nicht möglich.

 

Nach dem Waschen 

Damit die Nissen mit ihrer festen Kittsubstanz vom Haar gelöst werden können, die Haare nach dem Waschen mit Essigwasser (1 Tasse Essig auf 2 Tassen lauwarmes Wasser) spülen und mindestens zehn Minuten einwirken lassen. Spezielle Kräuter - Conditioner  können lockiges, langes Haar entwirren, sodass anschließend problemlos ein Nissenkamm verwendet werden kann. Mit Hilfe dieses speziellen Kamms werden Kopfläuse und Nissen aus dem Haaransatz entfernt. Metallkämme sind zwar teuer, aber um vieles effektiver besonders bei dichten Haaren als die beigepackten Plastikkämme. Danach noch mit einem Balsam spülen, damit die Haare glatt sind. Neue Läuse können sich nicht festklammern.

Nicht mit dem Föhn trocknen, weil die Hitze manche Lausshampoos in ihrer Wirkung beeinträchtigt.

Die ganze Familie und enge Kontaktpersonen mindestens einmal durchwaschen!

Hauben nicht in der Gardarobe liegen lassen, sondern in die Schultasche packen. Lange Haare zusammenbinden!

Eine Alternativvorbeugung: Mit Weidenteer gewaschenes Haar wird laut Test an vielen Kindern von Läusen nicht befallen! Zwei- bis dreimal pro Woche kann dieses Shampoo verwendet werden, wenn rundherum Läusealarm besteht.

 

Was sonst noch beachtet werden sollte:

Kämme, Haarspangen…in kochendem Wasser reinigen oder besser gleich wegwerfen.

Kleidung, Handtücher, Bettzeug mit mind. 60° waschen und heiß bügeln. Bei nur 30°- 40° überleben die Läuse 4-6 Stunden im Wasser! Gut ausspülen!

Auf  Böden, Polstermöbeln, Matratzen, Autositzen…die herumliegenden Haare mit Läusen und Nissen absaugen und eventuell mit  einem Lausspray einsprühen. Anschließend den Staubsaugerbeutel wechseln! Läuse sind zu groß, um in das Innere von Matratzen oder Kopfkissen vorzudringen, deshalb genügt es, abzusaugen und das Bettzeug bei 60°C zu waschen.

Mützen, Hüte, Kleidungsstücke in Lausshampoolauge einige Stunden lang einweichen, in die Putzerei geben oder vier Wochen lang in einem dicht verschlossenen Plastiksack warm lagern. Läuse lieben es kühl, bei 0°C können sie 10 Tage hungern und überleben, bei 30°C nur 48 Stunden. Ohne Blutmahlzeit verhungern die Läuse.

Plüschtiere, Puppen, Fahrradhelm... in einem fest verschlossenen Plastiksack für mindestens 24 Stunden ins Tiefkühlfach legen (mindestens –20 °C). 

Mit diesen Methoden werden auch Milben gleichzeitig vernichtet.

Es gibt einen Spray, der die Lauseier durch eine fluoreszierende Färbung sichtbar macht. So kann man erkennen, ob die Nissen nahe der Kopfhaut sind und wahrscheinlich mit frischen Eiern gefüllt sind. Eine Behandlung ist notwendig. Wenn die rosa Pünktchen der Nissen weiter weg am Haar kleben, so sind sie alt, geöffnet, nicht so rundlich und sicherlich leer – keine Panik mehr notwendig! Der Spray enthält keine antiparasitären Substanzen, den Farbstoff  kann man problemlos mit Wasser und Seife auswaschen.

Es sollte immer wieder der Kopf eines Kindes auf  Läuse untersucht werden, da ein Kopflausbefall in den ersten vier bis sechs Wochen keine Anzeichen wie zum Beispiel Juckreiz machen muss; sicherlich mit ein Grund, weshalb Kopflausbefall immer wieder lange nicht entdeckt wird und sich in dieser Zeit rasch und unbemerkt in Familien und Schulklassen ausbreiten kann.

 

 

Fehler bei der Lausbehandlung

Falsches Timing der Wiederholungsbehandlungen: richtig 1.3.9.Tag!

Zu kurze Einwirkzeit, ungleiche Verteilung oder zu sparsames Auftragen des Lausshampoo

Auf  handtuchtrockenes Haar Shampoo auftragen, zu nasses Haar verdünnt den Wirkstoff  zu stark

Sehr fettes Haar löst das Shampoo in Fett und steht für die Abtötung der Läuse nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung.

Gleichzeitige Verwendung von normalem Shampoo, Seife und einem Lausshampoo – deaktiviert den lausabtötenden Wirkstoff!

Resistenz gegen das Lausshampoo: wenn zwei Stunden nach einem richtigen Waschvorgang noch herumkrabbelnde Läuse gefunden werden: anderes Shampoo verwenden.

Eine Nisse, die weiter weg vom Haaransatz gefunden wird, ist leer und nicht mehr infektiös.

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Eine erfolgreiche Behandlung schützt nicht vor einer neuerlichen Ansteckung!

Mag. Eva Fellner