APOTIPP

INSEKTENGIFT 

Dieser Artikel von mir ist in der DNA -  Zeitschrift (Der Neue Apotheker) erschienen

 

Sommerzeit – Insektenzeit

Insekten sind für das biologische Gleichgewicht in der Natur äußerst wichtig. Uns Menschen können sie aber oft zur Plage werden, ein Stich von Bienen oder Wespen kann manchmal sogar tödlich wirken!

 

Zusammensetzung von Bienengift

Die Zusammensetzung des Bienengiftes ist auf der ganzen Welt gleich, bei Wespen oder Hornissen aber nicht.

Apitoxin (Apis= Biene, toxikon= Gift) wird von zwei Drüsen im Hinterleib der Arbeiterbienen gebildet. Diese Flüssigkeit enthält über 40 verschiedene chemische Substanzen mit vielfältigen Wirkungen. In der Giftblase einer Biene ist 0,15mg bis 0,3mg Gift gesammelt, das beim Stich eines Warmblütlers fast vollständig in die Wunde gepumpt wird. Obwohl sofort nach dem Stich der Stachel mit der Giftblase von der Biene abgetrennt wird und in der Wunde stecken bleibt, wird ca. eine Minute lang Gift injiziert.

Da einige Inhaltsstoffe des Bienengiftes entzündungshemmend wirken, wird dieses Gemisch wirksam bei der Behandlung von Rheumatismus, Sehnenentzündungen, Ischiasschmerzen…eingesetzt. Die Behandlungsstelle kann dabei rot, heiß anschwellen, wie bei einem Stich, ein Schockzustand wird aber nicht ausgelöst.

 

Gift einer Wespe ist dem Gift der Hornisse sehr ähnlich, allerdings in jeder Region etwas anders.

Der Stachel einer Wespe bleibt meistens nicht stecken. Es wird auch nicht der ganze Giftvorrat in die Haut gepumpt, d.h. dass eine Wespe öfters stechen kann! Eine Wespe ist etwa 2cm groß und erreicht eine Fluggeschwindigkeit von ca.30km/h. Angelockt wird eine Wespe von Düften nach Fleisch (zum Verfüttern an die Larven) und von süßen Speisen und Getränken( zur eigenen Ernährung).

Die Giftblase der Hornisse enthält ca. 0,5mg Gift, beim Stich wird aber höchstens 50% davon in die Haut injiziert. Da der Stachel aber länger ist und im Gift Acetycholin enthalten ist, ist der Stich zwar schmerzhafter, aber weniger giftig als ein Bienenstich.

 

 

Insektengiftallergie

Nach einem Insektenstich einer Biene, Wespe oder Hornisse - selten auch von einer Hummel - treten verschiedene Reaktionen im Körper auf, von einer kleinen Rötung bis zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock.

Wenn das Insektengift mit den Fremdproteinen in den menschlichen Blutkreislauf gelangt, wehrt sich der Organismus mit einer Bildung von Antikörpern gegen diese eigentlich harmlosen Antigene. Es folgt eine Überproduktion von Immunglobulin E- Antikörpern, die sich an Mastzellen (weiße Blutkörperchen zur  Immunabwehr) binden. Der Körper ist sensibilisiert und reagiert bei einem zweiten oder erst späteren Stich mit einer allergischen Reaktion. Die Ig.E auf den Mastzellen erkennen das Antigen und Histamin wird im ganzen Körper freigesetzt. Sie bewirken allergische Entzündungssymptome: Schwellung, Rötung, Übererwärmung, Gefäßerweiterungen bis zu Atemnot und Kreislaufkollaps.

Da Histamin eine Schwellung auslöst, ist jeder Stich im Mund- und Rachenraum besonders gefährlich.

Allergische Reaktionen auf Insektenstiche zeigen keineswegs ein einheitliches klinisches Erscheinungsbild. Man unterscheidet fünf Schweregrade.

Behandlungs-/Dosierungsempfehlungen für Erwachsene  

Reaktion

Behandlung

Lokalreaktion
(Stadium 0):

Übermäßige Schwellung (> 15 cm) Rötung der Injektionsstelle, Dauer länger als 24 Stunden

Allgemeine Maßnahmen
Zusätzlich je nach Schweregrad:

– Kühlen!
– Antihistaminikagabe (oral)

Leichte Allgemeinreaktion (Stadium 1):
Allgemeine Hautrötung, Urtikaria, Pruritus, Schleimhautreaktionen (z.B. Nase, Konjunktiven); Allgemeinreaktionen (z.B. Unruhe, Kopfschmerz)

Allgemeine Maßnahmen
Zusätzlich:

– Blutdruck und Pulskontrolle
– Gabe eines H1-Antihistaminikums, eines H2-Antihistaminikums und eines Kortikosteroids

Ausgeprägte Allgemeinreaktion (Stadium 2):
Blutdruck-, Pulsveränderung, Atemnot, beginnender Bronchospasmus, Stuhl- bzw. Urindrang; Angstgefühl

Weiterhin wie bei Stadium 1, aber:
– 250–500 mg eines Kortikosteroids i.v. oder von Adrenalin

Bei pulmonaler Reaktion:
– Inhalation eines ß-Sympathomimetikums
Bei kardiovaskulärer Reaktion:
– Ringer-Lactat-Lösung

Starke Allgemeinreaktion (Stadium 3):
Sehr selten, aber innerhalb von Sekunden nach der Injektion:
Schock (schwere Hypotension, Blässe); Bronchospasmus mit bedrohlicher Dyspnoe, Sprachstörung, Bewusstseinstrübung oder- verlust,

Bei pulmonaler Reaktion:
– wie bei Stadium 2, bei unzureichendem Therapieeffekt zusätzlich Theophyllin
Bei kardiovaskulärer Reaktion zusätzlich:
– Ringer-Lactat-Lösung
– Adrenalin oder Dopamin i.v.
 H1-Antagonist+H2-Antagonist i.v. s.
Anschließend:
– 1000 mg Prednisolon i.v.

Vitales Organversagen (Stadium 4):
Manifestes Versagen der Vitalfunktionen (Atem-Kreislaufstillstand), anaphylaktischer Schock

Notfallmaßnahmen:
– Reanimation (Intubation, Beatmung, externe Herzdruckmassage)
– Adrenalin (+ Dopamin + Noradrenalin)
– weitere Volumensubstitution

 

Notfallsapotheke

 

Hyposensibilisierung

Insektengiftallergie ist nicht heilbar, selten verschwindet diese Überreaktion, wenn man viele Jahre nicht gestochen wird. Die einzig sinnvolle Therapie, wenn ein Übermaß an Ig.E Antikörper nachweisbar ist,  ist eine Hypersensibilisierungstherapie.  Mit stark verdünnten Giftinjektionen  wird der Organismus langsam an das Gift gewöhnt. Die Behandlungszeit beträgt allerdings einige Jahre. Je früher damit begonnen wird, ab dem 5. Lebensjahr, umso besser ist der Körper auf eine überschießende Antwort des Immunsystems geschützt, allergische Beschwerden blieben auch Jahrzehnte nach der Kur aus.

 

Tipps

Gefahrenquellen vermeiden

Vorbeugende Maßnahmen

Im Ernstfall rasch handeln

Nach dem Stich

 

Andere Insekten

Zahlreiche Insekten- Mücken, Gelsen, Ameisen, Fliegen - „stechen“ auch Warmblütler, sie haben allerdings keinen Giftstachel. Mit ihren Fresswerkzeugen beißen sie in die Haut und saugen Blut heraus. Dabei spritzen sie in die Wunde ihren Speichel aus verschiedenen Substanzen, die zwar eine Blutung verhindern aber Juckreiz, Rötung, Schwellungen auslösen. Eine allergische Reaktion mit Schockzuständen wird aber nicht ausgelöst. 

 

Repellents

Sie sollen den Körpergeruch so verändern, dass Gelsen und andere Insekten die Lust aufs Stechen verlieren.

 

 

Tipps zur richtigen Anwendung

das Mittel auf der gesamten unbedeckten Haut lückenlos und gleichmäßig aufgetragen

auch die Hautpartien unter luftiger Kleidung behandeln, da Insekten durch dünne Stoffe stechen können

nicht auf Schleimhäute und verletzte Hautstellen aufbringen

die angegebene Schutzzeit nur als Richtgröße verstehen. Wirkdauer ist abhängig von mechanischem Abrieb, Temperatur (Schwitzen!), Luftfeuchtigkeit und Wind

das Mittel regelmäßig erneut auftragen; dabei ist zu beachten, dass die Schutzwirkung gegen Zecken meist deutlich früher nachlässt als die gegen Mücken

das Mittel nach jedem Wasserkontakt neu auftragen, da Repellentien nur bedingt wasserfest sind

Wenn Kosmetika oder Sonnenschutzmittel angewendet werden, Repellentien zuletzt auftragen. Der Lichtschutzfaktor kann sich um bis zu 30 Prozent reduzieren!

 

Insekten in den Tropen können aber Krankheiten übertragen, z.B. Dengue- Fieber, Malaria, Japan-B-Enzephelitis, Leishmaniasis, aber nicht Aids. Jeder Reisende in die Tropen kann sich mit einer Chemoprophylaxe, mit Repellents auf Haut und Gewand und Moskitonetzen vor Malaria schützen. Pro Jahr sterben etwa eine Million Menschen, besonders viele Kinder an dieser parasitären Erkrankung. Sinnvoller Schutz gegen die Anopheles Mücke, die die Malariaerreger überträgt, ist ein Schlafen unter einem Moskitonetz, das für viele Familien in den gefährdeten Ländern aber zu teuer ist. Der österreichische Entwicklungshilfeklub unterstützt in Angola ein Hilfsprojekt, das Familien Netze und Aufklärung zu Verfügung stellt. Informationen über Hilfsmaßnahmen darüber finden Sie auf www.eh-klub.at. Es würde mich freuen, wenn auch Sie eine Familie vor der Malariainfektion schützen würden.

Danke, Mag. Eva Fellner

 

 

www.apotipps.at.tt

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