Apotipp

 

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitung „Apothekerkrone“ erscheinen.

Rasch Handeln bei Harnwegsinfekten

 

Jede fünfte Frau im Alter zwischen 20 und 55 Jahren erkrankt mindestens einmal im Jahr an einem Harnwegsinfekt.

 

Beschwerden bei einer Harnblasenentzündung (Zystitis)

 

Ursachen einer Harnwegsinfektion

Meist sind eindringende Keime, vor allem körpereigene Darmbakterien, die Ursache für eine Infektion der an sich keimfreien Harnwege.  Bei unteren Harnwegsinfektionen können sich die Harnröhre (Urethritis) oder auch die Blase (Zystitis) entzünden. Obere Harnwegsinfekte betreffen hauptsächlich das Nierenbecken.

 

Es gibt drei Bevölkerungsgruppen, die vermehrt Harnwegsinfekte aufweisen.

  1. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Schmierinfektionen im Windelbereich oder eine Fehlbildung der Harnwege Auslöser für Infekte.
  2. Frauen leiden öfter an einer Entzündung der Blase als Männer, sie haben einerseits eine kürzere Harnröhre - Keime können leichter eindringen und aufsteigen – andererseits mündet die Harnröhre bei Frauen in unmittelbarer Nähe zum Darmausgang und zur Scheide. Weitere Risikofaktoren für erwachsene Frauen sind häufiger Geschlechtsverkehr, weil durch die mechanische Reizung der Schleimhaut im Genitalbereich leichter harmlose Bakterien (meist Escherichia. coli Erreger sowie Staphylokokken oder Enterokokken) vom Darm in den Harntrakt gelangen können („Honeymoon Zystitis“). Schwangerschaft, Geburt, Östrogenmangel, Klimakterium, sind weitere Risikofaktoren für Frauen. Oft geht eine akute Blasenentzündung in eine häufig wiederkehrende Entzündung über. Bei diesen Frauen kann die Gewebsstruktur in der Blasenwand geschädigt sein. Lokale Reizungen der Nervenfasern führen immer wieder zu einem unangenehmen und unnötigen Harndrang. Harnwegsinfekte in der Schwangerschaft sollten immer ernst genommen werden, weil vorzeitig Wehen ausgelöst werden können, die das Baby schädigen.
  3. Harnabflussstörungen sind häufige Ursachen für Harnwegsinfekte bei älteren Menschen, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Harnsteine, Verengung der Harnröhre, Gebärmuttervorfall, Geschwulst, Katheter sowie eine vergrößerte Prostata können einen Flüssigkeitsstau in der Blase auslösen und Harnwegsinfektionen auftreten lassen. Nach den Wechseljahren führt ein Östrogenmangel bei Frauen häufig zu Infektionen, weil dadurch der pH-Wert der Schleimhaut ansteigt, die Durchblutung verringert ist, das Gewebe im Unterleib erschlafft.

Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Gicht, Immunschwäche oder Cortisontherapie begünstigen vermehrtes Keimwachstum. Diabetiker sind besonders anfällig für Infekte: Durch eine Glukosurie können Keime gut wachsen und eine diabetische Nephropathie kann zusätzlich Harnabflussstörungen verursachen.

Manche Nahrungsmittel können einen Harnwegsinfekt fördern: Kaffee, Alkohol Cola Schokolade, stark gewürzte Speisen, Medikamente (Kortison, Hormone, Marcoumar, manche Antihypertonica…)

Stress schwächt den körpereigenen Schutz und die Keime können sich ungehindert vermehren.

 

Behandlung

Mittels Testsreifen kann schon zu Hause eine Infektion nachgewiesen werden. Dabei muss unbedingt der Mittelstrahlurin verwendet werden, weil die erste Harnmenge mit ausgeschwemmten Keimen zu sehr belastet ist. Dabei weisen Nitrit und Leukozyten auf Entzündungen hin. Bestehen die gleichen Symptome im Harn ohne Leukozyten, ohne Erregernachweis, so muss an eine Reizblase gedacht werden.

 

Mittel der 1. Wahl sind Breitbandantibiotika: Trimethoprim (eventuell mit Sulfonamid kombiniert) über drei Tage, es werden alle üblichen Erreger der Zystitis bekämpft. Eine Therapie mit Nitrofurantoin erzielt auch gute Erfolge. Die Einmaldosis mit Fosfomycin sollte nüchtern und am Abend nach dem letzten Toilettengang eingenommen werden. Diese Therapie ist aber bei chronischen Harnwegsinfekten nicht geeignet.

In der Schwangerschaft kann auch Amoxicillin verwendet werden.

Eine häufige Antibiotikatherapie kann mitunter zu einer Resistenzbildung führen, die die Behandlung jedes weiteren Infektes deutlich erschwert. Eine Therapie sollte spätestens nach 48 Stunden Erfolg zeigen, sonst sind ein Antibiogramm und weitere diagnostische Maßnahmen notwendig.

Krampflösende Präparate, auch homöopathische Mittel haben eine gut entspannende Wirkung.

Eine Harnansäuerung zur Prophylaxe kann mit L-Methionin erreicht werden.

 

Rezeptfreie Tipps

Eine Therapie wirkt umso besser, je früher damit begonnen wird. Viele Frauen kennen schon die ersten Symptome und reagieren schnell, vor allem mit der Selbstmedikation. 

 

„Die guten Ratschläge der Oma“

 

Mag. Eva Fellner