APOTIPP

Mehr Verständnis für HIV- Infektion und AIDS

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Der Neue Apotheker“ Juli 2005 erschienen.

 

HIV: Human Immunodeficiency Virus= Immunschwäche Virus

AIDS: Acquired ImmunoDeficiency Syndrom = erworbene Abwehrschwäche

 

Laut Schätzung der WHO sind 42 Millionen Menschen  mit dem HI-Virus infiziert, täglich infizieren sich 16.000 Menschen neu. In Österreich sind ca. 14.000 Personen HIV infiziert, die Hälfte davon in Wien, seit Bekannt werden der Immunschwäche AIDS (1983) über 2.000 Menschen erkrankt, 1.300 bereits verstorben. Täglich gibt es in Österreich ein bis zwei Neuinfektionen, die eigentlich meistens zu verhindern gewesen wären.

 

AIDS ist noch immer nicht heilbar, aber durch verbesserte Medikation und Therapien ist die Lebenserwartung von HIV- Infizierten gestiegen.

 

Eigenschaften des HI-Virus

Das HI-Virus zählt zu den RNA- Viren, seine Erbsubstanz ist in der RNA im Virusinneren gespeichert. Dort befindet sich auch das Enzym (Reverse Transkriptase), das die Virus-RNA in eine Virus-DNA übersetzten kann, und so in die DNA einer Wirtszelle eingeschleust werden kann.

Im menschlichen Organismus haftet das Virus mittels eines Rezeptors „gp120“(Glykoprotein 120) an den CD4- Rezeptoren im Körper. Diese speziellen Rezeptoren befinden sich nur an wenigen Stellen im Organismus: an den CD4-Helferzellen, an Immunzellen von Haut und Schleimhaut, sowie einigen Stützzellen im Nervengewebe. Nach dem Andocken wird die RNA des HI-Virus in die menschliche Zelle mit Hilfe der Reversen Transkriptase als DNA eingebaut. Diese infizierte menschliche Zelle wird gezwungen, neue Viren zu produzieren. Zur Reifung der neuen Viren wird eine Protease von der Wirtszelle bereitgestellt, sodass die Wirtszelle abstirbt. Dieser Vorgang wiederholt sich nun während des ganzen Lebens eines Infizierten. Bis zu einer Milliarde neue Viren können täglich gebildet werden. Immer weniger Immunzellen und CD-4 Helferzellen stehen im Verlauf der Erkrankung dem Organismus zur Immunabwehr zur Verfügung.

Man unterscheidet das HIV-1 mit 9 Subtypen und HIV-2 mit 5 Subtypen. Diese Subtypen unterscheiden sich genetisch, einzelne Subtypen sind auf geographische Regionen beschränkt.

 

Infektionsgefahren

Die Infektiosität von HIV ist gegenüber von anderen Viren (Schnupfen-, Masern-, Hepatitisviren) relativ gering. Gelangt das HI- Virus an die Luft, oder ist die kontaminierte Flüssigkeit bereits eingetrocknet, so ist es innerhalb kurzer Zeit nicht mehr infektiös.

Hochinfektiöse Körperflüssigkeiten: Blut, Menstruationsblut, Sperma, Vaginalflüssigkeit, Hirnflüssigkeit, Muttermilch, Rückenmarksflüssigkeit.

Niedriginfektiöse Körperflüssigkeiten: Schweiß, Speichel, Tränenflüssigkeit, Harn, Stuhl enthalten die HI-Viren in zu geringer Konzentration, sodass sie kein Infektionsrisiko darstellen.

Unverletzte Haut bietet einen guten Schutz vor Infektionen, gefährdete Hautpartien sind Schleimhäute in der Vagina, im Darm, Mund und die Bindehaut des Auges.

Es gibt keine bestimmte Risikogruppe, sondern nur risikoreiches Verhalten!

Hohes Infektionsrisiko:

Geringes Infektionsrisiko

Da jeder Mensch einem Verletzten „Erste Hilfe“ leisten muss, sind verschiedene Maßnahmen notwendig, damit es zu keiner Infektion von HIV oder Hepatitis kommt. Man kann nicht erkennen, ob der Verletzte  eine Infektionskrankheit hat oder nicht!

 

Keine Übertragung von HI-Viren

HI-Viren überleben außerhalb des menschlichen Organismus nur wenige Minuten.

Das Zusammenleben mit HIV-Positiven und AIDS-Kranken ist daher gefahrlos!

 

Nachweisverfahren

Die Vorgangsweise zur Durchführung von HIV-Tests ist im Bundesgesetzblatt vom 23.09.1994 geregelt:

1.     Zwei Wochen nach dem Kontakt:

Direkter Virusnachweis möglich: PCR-Test (Polymerase-Chain-Reaktion): eine geringe Viruskonzentration des Blutes wird durch spezielle Reaktionen vermehrt und dadurch nachweisbar (keine absolut sichere Aussage möglich)

2.     Zwölf  Wochen nach dem Kontakt:

HIV-Antikörpertest: (ein sicheres Testergebnis), wird auch für Screening- Zwecke verwendet

Antikörper des untersuchten Blutes  reagieren mit Viren, diese Reaktion wird mit Färbung sichtbar gemacht.

Das AIDS-Hilfehaus z.B. in Wien bietet kostenlose und anonyme HIV- Antikörpertests, samt umfassender Gratisberatung an. Jeder Arzt kann mit einer Laborzuweisung einen Test durchführen lassen, aber nur mit dem Einverständnis des Betroffenen.

 

Die Erkrankung

Einige Wochen nach einer Infektion treten meist Müdigkeit, Fieber, Glieder- Gelenksschmerzen, Lymphknotenschwellung...auf, ähnlich einer schweren Grippe. Daran schließt sich eine jahrelange Latenzzeit an, in der der Infizierte gesund, aber infektiös(!) ist. 10 Jahren nach der Infektion sind etwa 50% der HIV-Positiven noch gesund. Gegen Ende dieser verschieden langen Latenzzeit treten die ersten AIDS- Vorfelderkrankungen auf, weil das Immunsystem zunehmend geschwächt wird: Gürtelrose, Lungenentzündung, Pilzbefall des Mundes. Erst zu diesem Zeitpunkt erfahren viele, die keinen Test gemacht haben, dass sie schon lange HIV-positiv waren!

Dann brechen verschiedenen AIDS- Erkrankungen aus: Infektionen durch Mikroorganismen, die für gesunde Menschen keine Probleme und keine Infektionsgefahr darstellen „Opportunistische Infektionen“: Pneumocystis carinii Pneumonie, cerebrale Toxoplasmose, Cytomegalievirusinfektionen des Auges, Candidainfektionen- besonders in der Mundhöhle und verschiedene bösartige Tumore z.B. Kaposi Sarkom.

 

Therapie

  1. PEP= Post Expositionelle Prophylaxe: gleich zu Beginn einer Infektion z.B. Unfälle im Labor, Kondomplatzer im Verkehr mit HIV-Positiven (Anwendung ideal in der ersten Stunde, spätestens innerhalb 24h- 48h nach einer Exposition) um eine Infektion zu verhindern. Einnahme von Medikamenten 4 Wochen lang, genaues Einnahmeschema befolgen, trotz starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall...Eine intensive Beratung ist dabei erforderlich z.B. im AKH oder auf der Baumgartnerhöhe in Wien.

2. Frühtherapie: vor dem Auftreten von Antikörpern, wenn ein positiver PCR-Test vorliegt. Eine Kombinationstherapie von etwa 1 Jahr wird empfohlen.

3.     Da die HIV-Infektion noch nicht heilbar ist und die Viren sich immer weiter vermehren und das Immunsystem zerstören, der Patient aber möglicherweise noch keine Beschwerden hat, muss ein idealer Zeitpunkt gefunden werden, mit einer antiretroviralen Therapie zu beginnen.

Es gelten einige Kriterien:

Ziel der Therapie:

 

 

Antiretrovirale Medikamente

Retrovir®, Ziagen®, Emtriva®, Epivir®, Zerit®, Videx®, Viread®

Atripta®, Combivir®, Kivexa®, Trizivir®, Truvada®: Kombination von zwei bzw. drei NRTIs

Viramune®, Stocrin®. Als Nebenwirkung tritt häufig ein Hautausschlag auf.

Viracept®, Invirase®, Aptivus® Kaletra®, Prezista®, Reyataz®, Crixivan®, Telzir®,

Fuzeon®, Celsentri®

Viele neue Ansatzpunkte wurden durchforscht und einige wurden schon in Studien erprobt.

 

Bei der Therapie, um das Vermehren von HI-Viren einzudämmen, wird immer eine Kombination von mehreren Präparaten vorgeschrieben. So kann die Lebensqualität verbessert und die Lebenserwartung stark erhöht werden. Jedem Patient wird in Spezialambulanzen oder von spezialisierten Ärzten eine eigene Therapie verordnet, die sich nach seinen Lebensgewohnheiten richtet, um sie genau nach Zeitplan  befolgen zu können.

Oft kann die Therapie besonders zu Beginn zu starken Nebenwirkungen führen: Übelkeit, Erbrechen, Leberbelastungen, Allergien, Fettumverteilungstörungen…Es gibt auch viele Interaktionen mit anderen Medikamenten, die über Cytochrome in der Leber abgebaut werden (orale Kontrazeptiva, einige Antihypertensiva, Antibiotika, Johanniskraut…)

In Europa steht jedem HIV-Infizierten eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART), meist sogar gratis, zur Verfügung, sowie eine Pflege bei Schmerzen und anderen Problemen. In anderen Ländern, besonders in Afrika, hat nicht jeder Erkrankte das Glück, eine Therapie zu erhalten.

Alternative Behandlungsmethoden werden hauptsächlich verwendet, um die Nebenwirkungen zu mildern, die verschiedenen Beschwerden angenehmer zu machen.

 

Resistenzentwicklung

Das HI- Virus kann durch Mutationen bei der Vermehrung Veränderung ihrer Erbinformationen vornehmen, sodass verschiedene Virustypen entstehen, darunter können auch medikamentenresistente Stämme entstehen. Um dies zu verhindern, muss jeder Patient immer wieder optimal eingestellt werden! Das Einnahmeschema genau befolgen- keine Therapiepausen vornehmen!

Wegen der hohen Mutationsrate ist es bis jetzt der Wissenschaft noch nicht gelungen, einen wirksamen Impfstoff gegen HIV zu entwickeln!

In Österreich sind wir in der glücklichen Lage, dass die Krankenkassen für jeden die hohen Kosten für die HIV-Kombinationstherapie übernehmen. Motivieren wir jeden HIV-Positiven, genau die Anweisungen des Arztes zu befolgen, um lange den besten Erfolg mit der Therapie zu haben!

 

Impfungen

Da das Immunsystem bei HIV-Positiven geschwächt ist, sollte jede Impfung genau überlegt und mit dem Arzt besprochen werden.

Bei Totimpfstoffen (Cholera, FSME, Grippe, Pneumokokken, Hepatitis A und B) treten nicht mehr Nebenwirkungen auf als bei HIV-Negativen, das Gleiche gilt für Diphtherie und Tetanus.

Gegen Pneumokokken, Hepatitis A und B sowie Grippe wird eine Impfung von der Impfkommission sogar empfohlen, weil HIV-Positive ein erhöhtes Risiko haben, diese Erkrankungen zu bekommen.

Lebendimpfstoffe (Masern, Mumps, Röteln, Tuberkulose, Gelbfieber, Varizellen, Pocken) beanspruchen das Immunsystem zu sehr, sodass es zu lebensbedrohlichen Reaktionen kommen kann!

 

Ernährungstipps

 

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag, ein weltweiter Gedenk- und Aktionstag im Zeichen von AIDS. Denken wir nicht nur an diesem Tag an diese Krankheit, sondern schützen wir uns selbst und helfen den von der Infektion Betroffenen, die sozialen Probleme und Vorurteile der Gesellschaft besser zu bewältigen.

Mag. Eva Fellner

 

 

 

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HIV & Aids

 

Die Herkunft des HI-Virus ist nicht restlos geklärt. Wahrscheinlich hat es in Zentralafrika eine Übertragung von Menschenaffen auf Menschen gegeben. Das erste Mal wurde man definitiv auf das Virus aufmerksam, als es 1981 in der Schwulenszene von San Francisco zu grassieren begann. Von dort breitete es sich epidemieartig auf der ganzen Welt aus. Die Todesraten waren am Anfang sehr hoch, weil es noch keine wirksamen Medikamente zur Behandlung gab. So entwickelten sich durch die Zerstörung des Immunsystems rasch die so genannten aids-definierenden Krankheiten. Längst ist HIV/Aids keine Schwulenkrankheit mehr – heutzutage steht die Infektion unter Heterosexuellen im Vordergrund. Besonders Frauen sind gefährdet und es gibt keine Risikogruppen mehr, sondern lediglich ein Risikoverhalten (z.B. ungeschützter Geschlechtsverkehr).

 

1983 erfolgte der Virusnachweis durch Montagnier und Gallo. 1984 war der erste HIV-Antikörpertest verfügbar und 1985 waren bereits weltweit Routinetests möglich.

 

Heute sind weltweit ungefähr 42 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert – davon sind ca. 2,8 Millionen Kinder. Besonders hoch sind die Infektionsraten in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Aufgrund der Armut des „Schwarzen Kontinents“ hat erst ein Bruchteil der Infizierten Zugang zu den rettenden antiretroviralen Medikamenten. Diese Medikamente können bei regelmäßiger Einnahme das Leben der Infizierten bedeutend verlängern – heilen kann man Aids nicht.

 

In Österreich leben rund 12.000 bis 15.000 Menschen mit dem HI-Virus. An Aids erkrankt sind bisher insgesamt 2.200 Menschen. Davon sind 1.300 bereits verstorben. Täglich gibt es in Österreich ein bis zwei Neuinfektionen mit dem HI-Virus.

 

Noch zwei Aids-Brennpunkte seien erwähnt: Der Riesenstaat Indien, wo die Epidemie noch lange nicht den Gipfelpunkt erreicht hat (aber auch Indonesien!) und der europäische Osten, wo die rasanteste Entwicklung in der Ukraine und in Russland zu verzeichnen ist. In diesen Gebieten spielt die Ansteckung durch Spritzentausch im Drogenmilieu eine besonders große Rolle.

 

Ein ganz wichtiger Punkt bei der Bekämpfung der HIV/Aids-Epidemie ist die Prävention. Es wird über Aufklärungsarbeit versucht, die Menschen dazu zu bringen, dass sie sich adäquat gegen das HIV-Virus schützen. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht eindeutig das Kondom, um einen so genannten „geschützten“ Geschlechtsverkehr zu erreichen. Im Milieu der injizierenden Drogenabhängigen besteht die Hauptstrategie darin, durch Verteilung von ungebrauchten Spritzen die Infektion durch Tausch von gebrauchten Spritzen hintan zu halten.

 

Die Infektion durch kontaminierte Blutkonserven war zu Beginn der HIV/Aids-Epidemie ein großes Problem, bis die Verantwortlichen von der Notwendigkeit lückenloser Tests überzeugt werden konnten. Heute ist das relevante Risiko verschwindend klein.

 

Eine zentrale Frage im Zusammenhang mit HIV/Aids stellt der HIV-Test dar. Aus verschiedenen Gründen lassen sich viele Menschen trotz Risikolage/Risikosituation nicht testen. Aus diesem Grund klaffen die offiziellen Zahlen weit mit der Infektions-Dunkelziffer auseinander. Aus gesundheitlicher Sicht ist es jedenfalls eminent wichtig, die Infektion möglichst früh zu erkennen und so die Möglichkeit für eine adäquate medikamentöse Therapie zu eröffnen.

 

Ein bedeutender Grund für die Scheu vor dem HIV-Test ist auch das so genannte „soziale Aids“, also das Thema von gesellschaftlicher Diskriminierung und Stigmatisierung. Auch Probleme am Arbeitsplatz spielen eine entscheidende Rolle.

 

In Österreich traten die ersten HIV/Aids-Fälle 1983 auf. 1985 wurde die erste Aidshilfe in Wien gegründet. 1987 gab es in allen Bundesländern Außenstellen der „Österreichischen Aidshilfe“. Nach intensiver Reorganisation und Umplanung wurde am 1. Dezember 1997 das Wiener Aidshilfehaus eröffnet, wo 1.700 m² für Beratung, Betreuung, Information und Prävention zur Verfügung stehen.