Apotipp

Vorurteile gegen Übergewichtige

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Apothekerkrone“ erschienen.

 

Jeder sollte seine eigene Therapie finden, um ohne allzu große Einschränkungen abzunehmen

 

Übergewicht und Fettleibigkeit nehmen in ihrer Häufigkeit dramatisch zu. Die Adipositas erhöht das Risiko für die Entstehung einer Vielzahl von Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf Krankheiten.

Nicht nur körperliche Erkrankungen sind ein Problem von Übergewicht, sondern auch Vorurteile, soziale Diskriminierung und Stigmatisierung dieser adipösen Menschen. Laut einer deutschen Studie meint ein Viertel der Bevölkerung, stark Übergewichtige seien faul, willensschwach oder sogar weniger intelligent. 85% der Befragten meinen auch, dass Adipöse selbst an ihrem Übergewicht schuld sind. Aber es gibt viele Faktoren, die auf die Regulation des Körpergewichts Einfluss haben: Bewegungsmangel, Essgewohnheiten, verschiedene psychosoziale Einflüsse, aber auch genetische Faktoren.

Außerdem gelten noch immer biologische Gründe. Jahrhunderte lang lebte der Mensch mit einer Knappheit an Lebensmitteln. Das bedeutete: Essen, wenn es etwas gab, und Reserven anlegen für magere Zeiten. Erstmals in der Geschichte liegt jetzt ein Überangebot an Nahrung vor, so dass der Körper immer nur speichert, die Reserven aber nie verbraucht.

 

Teufelskreis

Der Teufelskreis aus Übergewicht, Frustration, Essen aus Langeweile und weiterer Gewichtszunahme muss unterbrochen werden. Vielleicht kann ein spezifischer Auslöser (Traurigkeit, Stress, Ängstlichkeit, Einsamkeit, Überforderung, Ablehnung in Schule oder Beruf...) für übermäßiges Essen gefunden werden. Die Psyche der Übergewichtigen muss gestärkt werden, denn ohne den eigenen Willen ist eine Gewichtsreduktion nicht möglich (außer in Krankheitsfällen). Lob spielt dabei eine wesentliche Rolle. Gerade adipöse Menschen sind süchtig nach Lob, denn sie erfahren im Alltag meist genau das Gegenteil. Dies gilt besonders für dicke Kinder und Jugendliche, die oft ausgegrenzt werden.

Adipöse Menschen sollten immer wieder ermutigt werden, viel Bewegung zu machen. Ohne eine Ernährungsumstellung wird eine dauerhafte Gewichtsreduktion nicht möglich sein.

 

Das kleine 1x1 richtiger Ernährung

 

 

Für jeden die richtige Unterstützung

Zusätzliche Hilfen aus der Apotheke erleichtern das Ziel, eine Gewichtsabnahme und eine bessere Figur zu erreichen.

Vor jeder Fastenkur sollte der Körper entschlackt werden, es gibt dafür verschiedene Möglichkeiten:

·        zur Entwässerung: pflanzliche Extrakte aus: Brennnessel-, Spargel-,  Löwenzahn-, Birken…

·        Regulierung des Darms mit Füll- und Quellmitteln wie Weizenkleie, Flohsamen oder Leinsamen

·        Aufbau einer gesunden Darmflora: Bifidus, Acidofidus, Lactobacillus und  löslichen Ballaststoffen (Inulin, Pektin, Guar, z.B. Laxasoft). Abführmittel eignen sich nicht für diesen Zweck.

Verschiedene Nahrungsergänzungen haben auf den Fettstoffwechsel eine günstige Wirkung: Dabei kommen die Inhaltsstoffe aus Krebstierpanzer, Carnitin, Oxylia oder das rezeptpflichtige Orlistat zur Anwendung. Das Nahrungsfett wird von den Inhaltsstoffen der Tabletten absorbiert und abgeführt. Außerdem kann der Grundumsatz positiv beeinflusst werden. Diese Präparate sind besonders ideal für Fast-Food-Konsumenten. Trotzdem sollten generell fettreiche Lebensmittel gegen kalorienärmere ausgetauscht werden.

Anderen Menschen hilft es, weniger zu essen, wenn sie sich schon mit gefülltem Magen zu Tisch setzen. Dies kann durch Salate oder quellende Ballaststoffe erreicht werden. Der Appetit wird auch reduziert mit Substanzen, die im Gehirn ein Sättigkeitsgefühl melden. Vielesser sollten wieder lernen, wirklich mit dem Essen aufzuhören, wenn sie satt sind und nicht, wenn der Teller leer ist.

Bei Heißhunger auf Süßes und Hungergefühl trotz ausgiebigen Mahlzeiten ist der Blutzucker zu stark abgesunken, es entsteht ein Appetit auf eine Mahlzeit, die nicht notwendig wäre. Zusätzlich eingenommenes Chrom hilft dem Körper, den Blutzucker besser zu stabilisieren, damit er nicht so plötzlich absinken kann - die Hungerattacken bleiben aus.

 

Trotz dieser Hilfen ist es wichtig, dass eine dauerhafte Lebensumstellung erfolgt. Aber nicht durch Gebote und Verbote, sondern durch eigene Einsicht und Freude am Erfolg soll das natürliche Gespür für Hunger und Genuss wieder erlernt werden.

Mag. Eva Fellner