APOTIPP

Folsäure - Homocystein

 

1941 wurde von den amerikanischen Biologen R. Williams und  H. Mitchel aus großen Mengen Blattspinat eine orangegelbe, kristalline Substanz isoliert. Sie gaben ihr den Namen „Folsäure“ nach lat. folium. Dieses Vitamin ist licht- sauerstoff- und hitzeempfindlich, sowie wasserlöslich. Es gehört zu den B- Vitaminen: „Vitamin B9“.

Folsäure besteht aus den chemischen Bausteinen Pteridin, Paraaminobenzoesäure (PABA) und Glutaminsäure. Darmbakterien können aus PABA Folsäure synthetisieren.

 

Aufgaben der Folsäure

In jeder lebenden Zelle ist Folsäure enthalten, die an allen Wachstums- und Entwicklungsprozessen beteiligt ist.

·        Bildung der roten Blutkörperchen, zusammen mit Vitamin B12

·        Schließung des Neuralrohres in der Embryonalphase

·        Nucleinsäuresynthese (Purin, Thymidin)

·        DAN – Stoffwechsel

·        Abbau von Homocystein

 

Mangelerscheinungen

·        Vergesslichkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Blutarmut

·        Magen-Darm-Störungen

·        Mundschleimhautveränderungen, schlechte Wundheilung, Alopezie

Die Ursachen für eine Folsäure-Unterversorgung sind Fehlernährung, Verdauungsstörungen, Nierenerkrankungen, Medikamente (Methotrexat, Antiepileptika, Kontrazeptiva), Alkoholmissbrauch (außer Bier).

UV-Strahlung auf die Haut reduziert die Folsäure im Körper, das betrifft besonders hellhäutige Menschen.

Überschüssige Folsäure wird durch den Harn ausgeschieden.

 

Auswirkungen von Folsäure auf das Herzkreislaufsystem

Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die in der Nahrung nicht vorkommt. Sie ist ein schädliches Zwischenprodukt im Eiweißstoffwechsel. Homocystein schädigt die Gefäßwände, erhöht die Thromboseneigung und greift das Herz an. Ein erhöhter Wert im Blutbild oder im Urin gilt als Risikofaktor wie das Cholesterin für Arteriosklerose, KHK und Schlaganfall. Das Vitamin Folsäure und andere B-Vitamine senken die Homocystein-Konzentration im Blut nachweislich. Dabei wird Homocystein in die Aminosäure Methionin umgewandelt, die wichtig für die Proteinsynthese ist.

Bei Folsäure-, Vit B6-, B12-Mangel oder Enzymstörungen reichert sich Homocystein im Blutplasma an „Hyperhomocysteinämie“. Eine erhöhte Konzentration wird bei etwa 40% der Patienten mit Gefäßerkrankungen gemessen. Bei einem Wert über 2mol/ l Plasma (normal unter 10 mol/l) sollte eine Therapie erfolgen. Zur Senkung des Homocysteinspiegels sollten täglich 5 mg Folsäure eingenommen werden. Damit der Homocysteinwert nicht ansteigt, ist eine Dosis von 0,4 mg ausreichend.

Mangelernährung, Bewegungsmangel, Rauchen wirken steigernd auf Homocystein. Mit gesunder Ernährung, Folsäuregaben kann der Homocysteinspiegel gesenkt  werden.

 

Ältere Menschen leiden oft an Hyperhomocysteinämie, ausgelöst durch Vitamin B- Mangel, sowie Nierenfunktionsstörungen. Bei ihnen wird häufig eine Minderung der kognitiven Leistungen festgestellt. Intensive Vitamin B-Behandlung ermöglicht eine Leistungsverbesserung.

Erhöhte Homocysteinspiegel sind auch ein Risikofaktor für osteoporotische Frakturen.

 

Methotrexat - Folsäure

Methotrexat ist ein gutwirksames Mittel zur Therapie der rheumatioden Arthritis und anderer Autoimmunerkrankungen. Allerdings sind die nebenwirkungsbedingten Abbruchraten nach einem Jahr etwa 50%. Methotrexat blockiert die Reduktion der Folsäure zum aktiven Folat durch Hemmung der Dehydrofol-Reduktase, sodass intrazellulär der Folsäurepool verarmt und der Homocysteinspiegel steigt. Deshalb sind die meisten Nebenwirkungen durch einen Folsäuremangel bedingt. Übelkeit, Stomatitis, Anämie, Leberenzymerhöhung…Durch zahlreiche Untersuchungen wird bei Methotrexat – Medikation eine Dosis von 5 mg Folsäure am Tag danach empfohlen, so besteht keine Minderung der MTX-Effektivität, aber eine starke Reduzierung der Nebenwirkungen und des erhöhten Homocysteinspiegels.

 

Folsäurequellen

Reine Folsäure wird im Darm vollständig resorbiert, sie wird bei der Substitution als Nahrungsergänzung meist verwendet. In natürlichen Quellen befinden sich überwiegend Folate, die eine geringere Bioverfügbarkeit haben, sie müssen erst im Darm umgewandelt werden. 1 g Folat entspricht g Nahrungsfolat entspricht0,5g synthetischer Folsäure.

Die tägliche Folsäurezufuhr beträgt für Erwachsenen 0,4mg, für Schwangere und Stillende mehr.

0,4mg Nahrungsfolat sind etwa enthalten in:

150g Sojabohnen, 300g Spinat, 350g Broccoli

1kg Tomaten, 2kg Gurken, 6 kg Kartoffeln

500g Vollkornbrot, 2kg Weißbrot

7 Liter Milch, 1,9kg Goudakäse

100g Innereien (in der Schwangerschaft sind aber Innereien nicht empfehlenswert, wegen den hohen Vit. A Konzentration). Folsäure ist empfindlich gegen Licht, Sauerstoff und Hitze und kann wegen ihrer guten Wasserlöslichkeit leicht ausgelaugt werden. Sowohl beim Kochen als auch bei längerer Lagerung reduziert sich der Folsäuregehalt drastisch.

In gekochten Speisen findet man nur wenig Folsäure, sodass die Deckung des täglichen Bedarfes kaum möglich ist.

In den USA und Kanada wird deshalb seit 1998 dem Mehl Folsäure zugesetzt, als Prävention von Herz/Kreislauferkrankungen und Schlaganfällen. Die Zahl der an Neuralrohrdefekten geborenen Kinder hat sich mit dieser Maßnahme um die Hälfte verringert.

In Österreich wird auch immer wieder diskutiert, ob dem Mehl Folsäure zugesetzt werden soll. Aber durch gezielte Aufklärung und Folsäuregaben der Frauen mit Kinderwunsch kann die Rate von Missbildungen an Embryos besser gesenkt werden. Außerdem sollte die Ernährung der Bevölkerung generell mehr frisches Obst und Gemüse betragen und nicht Backwaren, denen künstlich Folsäure zugesetzt wurde.

 

„5 am Tag“ =  5x täglich je eine Handvoll Obst oder Gemüse. Diese Empfehlung kann auch für die Folsäureversorgung nicht oft genug ausgesprochen werden.

Mag Eva Fellner