APOTIPP

Folsäure für ein gesundes Baby

 

1941 wurde von amerikanischen Biologen aus großen Mengen Blattspinat eine orangegelbe, kristalline Substanz isoliert. Sie gaben ihr den Namen „Folsäure“ nach lat. folium = Blatt. Dieses Vitamin ist licht- sauerstoff- und hitzeempfindlich, sowie wasserlöslich. Es gehört zu den B- Vitaminen: „Vitamin B9“.

 

Aufgaben der Folsäure im Körper

Mit Hilfe der Folsäure werden rote und weiße Blutkörperchen gebildet. Weiters ist die Folsäure bei vielen Wachstum- und Entwicklungsprozessen in unserem Organismus notwendig, besonders bei Zellsystemen mit einer hohen Zellteilungsrate.

Diese beiden Aufgaben der Folsäure sind vor allem am Beginn der Schwangerschaft für eine gesunde Entwicklung des Babys wichtig.

Weiters ist Folsäure notwendig für den Abbau von Homocystein – eine Aminosäure, die in erhöhten Konzentrationen das Risiko für Herz – Kreislauferkrankungen steigert. 

 

Mangel an Folsäure

Nur wenige Menschen in Österreich nehmen mit der täglichen Nahrung genügend Folsäure zu sich. Ein ständiger Folsäuremangel macht sich bemerkbar an Reizbarkeit, Depressionen, Blässe, Müdigkeit, bis zu Wundheilungsstörungen, Blutbildveränderungen oder sogar gefährlichen Herz – Kreislauferkrankungen oder Schlaganfall.

Beim Ungeborenen kann es zu Missbildungen kommen: Gaumenspalten, Neuralrohrdefekt.

Meist ist ein Mangel an Folsäure auch mit einer schlechten Versorgung von Vitamin B12 und Vitamin B6 verbunden.

 

Folsäureprophylaxe für Frauen mit Kinderwunsch

In Österreich werden pro Jahr etwa 70 Kinder mit einem Neuralrohrdefekt geboren. Viele dieser Missbildungen wären mit einer ausreichenden Folsäureversorgung der schwangeren Mutter zu verhindern gewesen.

Es gibt zwei Arten von Neuralrohrdefekten:

·                    Die Anenzephalie, bei der sich der Schädel und das Gehirn nicht richtig ausbilden. Diese Babys werden tot geboren oder sterben kurz nach der Geburt, weil ein Großteil des Gehirns fehlt.

·                    Die durch Spina bifida („offener Rücken“) hervorgerufenen Probleme hängen hingegen von der Größe der Öffnung, ihrer Lage und dem Umfang der Schädigung von Rückenmark und Gehirn ab. Ist der Defekt klein, kann er unter Umständen durch eine Operation geschlossen werden. Wenn der Defekt groß und nicht von Haut bedeckt ist, liegen die Nervenbahnen im Rückenmark frei und können beschädigt werden. Kinder mit einer ausgeprägten Spina bifida haben eine sehr geringe Lebenserwartung.

Da sich das Neuralrohr schon zwischen dem 22.und 28. Schwangerschaftstag, also meist bevor eine Frau weiß, dass sie schwanger ist, schließt, besteht eine wirksame Prävention von Neuralrohrdefekten bei allen Frauen im gebärfähigen Alter. Besonders Frauen, die schwanger werden wollen, sollten rechtzeitig (d.h. acht Wochen vor Eintritt einer Schwangerschaft) ihre Folsäurespeicher auffüllen. Dies gelingt aber meist nur mit einer Kombination von einer ausgewogenen Ernährung und Folsäuretabletten.

Eine deutsche Studie über die Einnahme von Präparaten, die während der Schwangerschaft eingenommen werden, ergab überraschend, dass lediglich 20 % der Frauen Folsäure einnahmen. Magnesium dagegen nahmen 70%, Jod 59% und zusätzliche Eisenpräparate 50% ein.

 

Folsäurequellen

Folsäure ist enthalten besonders im grünen Gemüse (Spinat, Brokkoli, Blattsalat…), Obst (Bananen Orangen), Leber, Vollkorngetreide...

In natürlichen Lebensmitteln befinden sich überwiegend Folate, die erst im Darm in eine für den Organismus verwertbare Form umgewandelt werden müssen. Manche Menschen können, genetisch bedingt, Folsäure nicht in die biologisch wirksame Form umwandeln.

Bei der Substitution als Nahrungsergänzung wird meist eine reine Folsäure oder Metafolat (die körpereigene Form) verwendet, die vom Darm vollständig aufgenommen werden können.

Die tägliche Folsäurezufuhr beträgt für Erwachsenen 0,4mg, für Schwangere und Stillende mehr.

Folsäure ist empfindlich gegen Licht, Sauerstoff und Hitze und kann wegen ihrer guten Wasserlöslichkeit leicht ausgelaugt werden. Sowohl beim Kochen als auch bei längerer Lagerung reduziert sich der Folsäuregehalt drastisch.

In gekochten Speisen findet man nur wenig Folsäure, sodass die Deckung des täglichen Bedarfes kaum möglich ist. Frische Rohkost oder nur kurzes Dämpfen von saisonalem Frischgemüse erhalten die meiste Folsäure.

In den USA und Kanada wird deshalb seit 1998 dem Mehl Folsäure zugesetzt, als Prävention von Herz/Kreislauferkrankungen und Schlaganfällen. Die Zahl, der an Neuralrohrdefekten geborenen Kinder, hat sich mit dieser Maßnahme um die Hälfte verringert.

In Österreich wird auch immer wieder diskutiert, ob dem Mehl Folsäure zugesetzt werden soll. Aber durch gezielte Aufklärung und Folsäuregaben der Frauen mit Kinderwunsch kann die Rate von Missbildungen an Embryos besser gesenkt werden. Außerdem sollte die Ernährung der Bevölkerung generell mehr frisches Obst und Gemüse betragen und nicht Backwaren, denen künstlich Folsäure zugesetzt wurde.

 

Tipps für Frauen im gebärfähigen Alter

·                    Jede Frau sollte vor einer Schwangerschaft ihre Speicher an Folsäure auffüllen. Am sichersten gelingt das mit Folsäure- oder Metafolattabletten, die mindestens 0,4mg Folsäuren enthalten. Damit wird das Risiko eines Neuralrohrdefektes verringert und eine gute Entwicklung des Babys gefördert.

·                    Die empfohlene Tagesdosis von 0,4 – 0,8 mg Folsäure für Schwangere wird kaum genügend über die Nahrung erreicht. In Westeuropa beträgt die durchschnittliche Einnahme bei jungen Frauen meist weniger als 0,2 mg!

·                    In der Schwangerschaft ist der Folsäurebedarf auch erhöht auf Grund der Vergrößerung des Uterus, der Anlage der Plazenta, der Zunahme der mütterlichen roten Blutkörperchens und des Wachstums des Embryos.

·                    Frauen, die schon ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt haben, sollten sogar mit 4mg Folsäure substituieren.

·                    Es schadet nicht, Folsäuretabletten zu sich zunehmen, ohne schwanger zu werden.

·                    Im Falle einer Schwangerschaft kann Folsäure nach Rücksprache mit dem Frauenarzt weiter eingenommen werden.

·                    Es kann auch die Folsäure in einem Multivitaminpräparat eingenommen werden, wenn die Dosierung dabei ausreichend ist. Ihr Arzt und Apotheker berät Sie dabei gerne. Viele Frauen im gebärfähigen Alter weisen einen Mangel an VitB1, B2, B6, Folsäure, VitD, Kalzium, Magnesium, Eisen und Zink auf.

·                    Auch wenn die „Pille“ eingenommen wird, kann ein Folsäurepräparat zusätzlich eingenommen werden. Bei Frauen mit einer oralen Kontrazeption besteht häufig ein Folsäuremangel, weil sie, die aus der Nahrung zugeführte Folsäure, nur schwer in den Organismus aufnehmen können.

 

 

„5 am Tag“ =  5x täglich je eine Handvoll Obst oder Gemüse. Diese Empfehlung kann auch für die Folsäureversorgung der gesamten Bevölkerung nicht oft genug ausgesprochen werden.

Mag Eva Fellner