APOTIPP
Kaum bist du sie los – sind sie schon wieder da!  Die Fieberbläschen!

 

Rund 95% der Bevölkerung ist in unseren Breiten vom Herpes-Simplex-Virus (HSV-1) befallen. Aber nur bei rund einem Drittel bricht der Lippenvirus immer wieder aus.

 

 

HSV 1 -Infektionen werden vorwiegend durch Tröpfcheninfektion, Kontakt- und Schmierinfektionen übertragen. Die  Inkubationszeit beträgt in der Regel 2 bis 7 Tage. Die Primärinfektion (meist im Kleinkindalter) verläuft meist symptomlos. Das Virus wandert entlang der Nerven zu den Ganglien des Nervus trigeminus. Dort schlummern die Viren ein Leben lang. Erst bei bestimmten auslösenden Situationen wie Fieber, UV-Bestrahlung, Menstruation, Immunschwäche oder unter Stress kommt es durch Reaktivierung zu so genannten endogenen Reinfektionen.

 

Die Erkrankung verläuft in fünf Stadien

1.     Beginn: (Stunden bis zwei Tage) Kribbeln, Brennen oder Spannen im Lippenbereich, die Viren vermehren sich rapid! Bei diesen Warnsignalen gleich mit einer Behandlung beginnen!

2.     Bildung schmerzhafter Bläschen. Mit Millionen von Herpesviren ist die klare Flüssigkeit gefüllt. Die Angsteckungsgefahr ist nun am größten.

3.     Rund um die Wunde ist ein typischer roter Entzündungsrand, der sehr schmerzhaft ist. Bei Berührung platzen die Bläschen.

4.     Die Bläschenverschließen sich wieder und trocknen aus, es bildet sich eine Kruste. Beim Essen, Lachen…kann es zu schmerzhaften, blutigen Rissen kommen. Es besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.

5.     Abheilung des Lippenherpes dauert etwa 10 Tage. Das Virus zieht sich wieder in die Ganglien zurück und wartet auf die nächste Gelegenheit, sich wieder vermehren zu können.

 

Lebenslänglich

Da die Keime nach der Erstinfektion lebenslänglich in den Ganglien verbleiben, nach bestimmten Situationen aber als Fieberblasen zum Vorschein kommen, sind viele Betroffene immer wieder in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt. Sie fühlen sich unrein und abstoßend, einer Krankheit ausgeliefert und ohnmächtig. Obwohl diese Erkrankung keine lebensbedrohliche Krankheit darstellt sind, kann eine Herpesinfektion im Alltag ein Problem werden – Rückzug, Panik, Schuldgefühle. Wichtig ist deshalb, schon beim geringsten Brennen, Jucken mit einer Therapie zu beginnen. Krankenhaus- und Pflegepersonal auf verschiedenen Stationen dürfen während des infektiösen Bläschenstadiums keinen Kontakt mit immunsuppressiven Menschen haben.

 

Tipps zur Vermeidung

Selen, in einer biologisch aktiven Form, kann eine Herpesinfektion lindern und die Rezidivintervalle verlängern.

Bei UV-Bestrahlung immer einen Sonnenschutz auf die Lippen auftragen!

Vermeiden von Stress, spezielle Entspannungsübungen, autogenes Training…Ausreichend Schlaf.

 

 

Behandlung

Eine virustatische Creme sollte immer griffbereit, oder  in der Handtasche sein, damit sie gleich bei den ersten Symptomen verwendet werden kann.

Aciclovir und Penciclovir sind Nukleosidanaloga, die sich mit Hilfe von Enzymen in die Virus-DNA einlagern und eine Vermehrung verhindern können. Die Creme kann alle zwei Stunden aufgetragen werden.

Penciclovir hat eine 10x längere Halbwertszeit als Aciclovir. Es wirkt auch dann noch, wenn die Lippenbläschen bereits blühen. Es beschleunigt den natürlichen Heilungsprozess mit einer raschen Krustenbildung. Schmerzen und Symptome werden um etwa drei Tage verkürzt gegenüber Placebo.

Bei großflächigem Befall über Kinn und Nase, sowie bei häufigen Rezidiven (öfter als 6x im Jahr) sollte mit einer oralen Therapie begonnen werden.

Melissenextrakte wirken antiviral, bei längerer Anwendung kann eine erneute Infektion hinausgeschoben werden, es sind keine Resistenzen bekannt.

Zum Abheilen bewähren sich Salben oder Gele mit Zinkoxid und Heparin.

Spezielle Patches eignen sich gut zum Verdecken von Fieberblasen ab dem ersten Brennen. Obwohl sie fast unsichtbar sind, können sie überschminkt werden, das gibt vielen Frauen ein Gefühl der Sicherheit. Außerdem wird die Verbreitung der Keime vermindert.

Ohne Chemie behandeln Hitzestifte die Lippenbläschen. Dabei werden die betroffenen Stellen für einige Sekunden auf ca. 50 °C erhitzt und damit die Vermehrung der Herpesviren gestoppt.

Und, wenn keine Fieberblasencreme zu Hause ist, hilft immer noch fürs erste die Zahnpaste.

 

Mag Eva Fellner