APOTIPP

FIEBER: ALARM des KÖRPERS 

 

Dieser Artikel von mir ist  in der Zeitschrift „der neue Apotheker“ erschienen

 

Fieber ist eine Veränderung der Wärmeregulation im Körper mit einer Erhöhung der Körpertemperatur über 38°C.

 

Wenn pathogene Keime  in den Körper eingedrungen sind oder viele Tumorzellen, abgestorbene, schädliche Stoffe in der Blutbahn kreisen, entstehen Fieberstoffe. Diese Pyrogene lösen in der Temperaturzentrale (im Hypothalamus) „Alarm“ aus. Der Körper reagiert zuerst mit Frieren. Durch heftiges Zittern der Muskeln (Schüttelfrost) und  Verengung der Hautgefäße wärmt sich der Organismus schnell auf und erreicht eine höhere Temperatur. Biochemische Vorgänge können nun schneller ablaufen, z. B. Abwehrreaktionen gegenüber Erreger, bis vom Körper genügend Abwehrzellen gebildet werden.

 

36°-38°: normale Temperatur: Im Tagesverlauf steigt die Temperatur oft um fast ein Grad an. (Höchstwert ist um 18.00) Auch durch körperliche Belastungen, Sport, Ernährung, zu warme Bekleidung kann sich dieser Wert unbedenklich erhöhen. Bei einer Frau steigt nach dem Eisprung die Körpertemperatur um etwa 0,5°C an.

Die Extremitäten können ohne Folgen „unterkühlt“ werden, innere Organe aber nicht.

38°-39°C: mäßiges Fieber: Arztbesuch ratsam.

Über 39°C: hohes Fieber: Arzt umgehen befragen.

Über 40,5°C: kritisches Fieber: Sofort zum Arzt, Notruf. 

Nach der Fieberreaktion beginnt der Körper normalerweise von selbst mit einer Temperatursenkung durch Schweißbildung und vermehrten Durstgefühl.

 

Ursachen

·        Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze (z.B. „Kinderkrankheiten“ , Influenza, Wundinfektion, Harninfektion,.. )

·        Zahnbildungsphasen bei Babys

·        Erhöhung des Stoffwechsels (z. B. Schilddrüsenüberfunktion)

·        Nebenwirkung von manchen Medikamenten, Vergiftungen

·        Tumorerkrankungen

·        Autoimmunerkrankungen (z.B. rheumatisches Fieber)

·        Operationen

·        Hitzeschlag

·        Es gibt auch Fieber ohne erkennbare Ursachen.

 

Tipps bei Fiebererkankungen

·        Zuerst muss die Ursache für die Erhöhung der Körpertemperatur gefunden werden. Fieber immer ernst nehmen!

·        Säuglinge, Menschen ab 70 und chronisch kranke Patienten sollten bei jedem Fieber von einem Arzt untersucht werden.

·        Bei Fieber aktiviert der Körper all seine Energiereserven, baut dabei Nährstoffe ab besonders Proteine (auch in den Muskeln). Gliederschmerzen treten dadurch auf. Um Kraft zu sparen, zwingt der Körper zur Ruhelage. Die Körperwärme konzentriert sich auf die wichtigen inneren Organe, die Extremitäten frieren oft. Bei kleinen Kindern treten darüber hinaus oft Fieberkrämpfe auf, bei älteren Menschen ist häufig das Bewusstsein getrübt.

·        Nur ein gut funktionierendes Immunsystem reagiert bei Abwehrreaktionen gegenüber Krankheitserregern mit Fieber. Deshalb  sollte es nicht immer sofort gesenkt werden. Manche Keime können sich bei erhöhter Temperatur (ab 38,5°C) nicht mehr vermehren und sterben ab. Oft dauern Infektionskrankheiten länger, wenn das Fieber zu stark gesenkt wird.

·        Durch starke Fiebersenkung fühlt man sich trügerisch wohl, sodass man meint, wieder voll fit zu sein und sich in die Arbeit stürzen kann. Das Risiko für grasse Rückschläge der Krankheit, Kreislaufschäden, Herzmuskelentzündungen ist sehr groß.

·        Ältere Menschen, chronisch Kranke, oder geschwächte Personen sollten hohes Fieber vermeiden, weil Herz und Kreislauf zu stark belastet werden.

·        Kinder halten Fieber meist besser aus als Erwachsene. Wenn aber bei ihnen Fieberkrämpfe auftreten oder ihr Elektrolythaushalt kritisch gestört ist, so muss das Fieber gesenkt werden.

·        Körperliche Schonung ist die wichtigste Behandlung.

·        Medikamentöse Fiebersenkung: Antipyretika erweitern die Hautgefäße, sodass der Organismus durch Schweißsekretion abgekühlt wird. Paracetamol (rein fiebersenkend), bei zusätzlichen Schmerzen: Ibuprofen, Naproxen, Acetylsalizylsäure( mit Hinweis viel trinken). ASS nicht Kindern geben- das lebensbedrohliche Reye-Syndrom mit Schäden von Leber und Gehirn kann ausgelöst werden!

·        Unter Berücksichtigung der Temperatur und des Allgemeinzustandes kann mit Homöopathie behandelt werden (Aconitum, Belladonna, Ferrum phosphoricum...). In dieser Therapiezeit kann gut der weitere Verlauf der Erkrankung verfolgt werden.

·        Essigpatscherl, kühlende Wadenwickel: entziehen Körper überschüssige Wärme. Die Wickel sollten nicht kälter als 5°C unter der gemessenen Körpertemperatur sein, etwa 20 Minuten auf der Haut lassen. Nie verwenden, wenn Beine oder Füße kalt sind, sonst drohen ein Kreislaufversagen!

·        Kühlende Bäder können auch zur Fiebersenkung verwendet werden. Die Temperatur des Wassers sollte zu Beginn etwa 35°C betragen und langsam tiefere  Grade erreichen. Zu kaltes Wasser führt zu einer Vasokonstriktion,  eine Wärmeabgabe des Körpers ist dann nicht möglich.

·        Kühldecken oder eine andere Arten von schneller Kühlung dürfen nur  bei einem Hitzeschlag oder Verletzungen eingesetzt werden, nicht bei Infektionen!

·        Viel Flüssigkeit trinken: bei Erhöhung der Körpertemperatur um 1° verliert der Organismus etwa 1 Liter Flüssigkeit pro Tag mehr als sonst. Vorsicht, eine gefährliche Dehydrierung bei Kindern ist schnell möglich. Kennzeichen: wenig Urin, verminderter Tränenfluss, Faltenbildung auf der Bauchdecke. Erkältungstees mit Lindenblüte, Hollerblüten, Weidenrinde,.. und viel Wasser trinken. Auch Suppen.

·        Betupfen mit Minzöl auf den Schläfen.

·        Wohnräume nicht zu stark heizen (19°C reichen), regelmäßig lüften, Luftfeuchtigkeit erhöhen, im Bett genügen ein dünner Pyjama und eine leichte Decke.

·        Diabetiker dürfen bei fieberhaften Erkrankungen mit Appetitlosigkeit, Erbrechen nicht auf Insulin verzichten, sie brauchen eher mehr. Regelmäßig Glucosewerte kontrollieren!

·        Fieber nach einem Urlaub in einem südlichen Land immer vom Arzt kontrollieren lassen.

·        Nicht erst in der kritischen Zeit das Immunsystem stärken, den Körper abhärten, gesund ernähren...

 

              

Besonderer Verlauf einiger Erkrankungen

·                    Influenza:  plötzlich ansteigendes hohes Fieber (mehr als 39°C), mehrere Tage, heftige Glieder- und Kopfschmerzen, starke Erschöpfung, Entzündung der Atemwege, deshalb häufig Atemnot, schwere Komplikationen (z.B. Lungenentzündung, Mittelohrentzündung) können auftreten. Ausheilung dauert bis zu drei Wochen. Eine vorbeugende Impfung ist möglich. Viele Todesfälle werden jedes Jahr mit dieser Infektionskrankheit in Verbindung gebracht.

·                    Erkältung: Beginnt meist mit Halsschmerzen, dann Schnupfen, Husten, mäßiges Fieber, deshalb weniger Gliederschmerzen.

·        Meningitis: Lebensbedrohlich! Fieber meist unter 38,5°C, aber Nackensteifheit, Berührungsempfindlichkeit, Apathie

·        Bei Fieberkrämpfen wird das Gehirn zu stark erhitzt und durchblutet. Die Temperatur steigt rasch an, die Augen verdrehen sich, der Blick wird starr, die Lippen laufen blau an, Arme und Beine zucken heftig. Das Kind in diesem Fall nur sanft streicheln, aufpassen, dass Erbrochenes nicht in die Lungen gelangt und sofort Fieberzäpfchen verabreichen. Eventuell Notarzt rufen, wenn der Krampf länger als 5 Minuten dauert. Meistens sieht der Krampf sehr dramatisch aus, ist aber relativ harmlos. Trotzdem muss jeder Fieberkrampf mit dem Arzt abgeklärt werden!

·         3- Tagesfieber: Fieber bis 40°C, meist unauffälliger Allgemeinzustand, erst am 4. Tag ein Ausschlag.

·        Lokal begrenzte Entzündungen z. B. im Mittelohr oder in der Lunge sind begleitet mit Fieberschwankungen stets über 38°C.

·        Schwankendes Fieber (Wechsel zwischen 40°C und fieberfreien Intervallen) ist typisch bei eitrigen Infektionen mit wiederkehrender Ausschwemmung von Erregern ins Blut z.B. bei Abszessen oder Sepsis. Bei der Maserninfektion und Poliomyelitis dauern diese Schwankungen einige Tage an.

·        Hitzeschlag: der Organismus wird durch eine zu hohe Umgebungstemperatur erhitzt, sodass er nicht mehr in der Lage ist, durch Schwitzen eine Ausgleich zu erreichen! Keine Antipyretika geben!

 

Richtig Fiebermessen

·        Erst Fiebermessen, wenn der Körper einige Zeit in Ruhelage war.

·        Rektal: sicherste Methode, weil im Enddarm die gleiche Temperatur herrscht wie im von Rumpf und Kopf („ Körperkern-Temperatur“). Vor dem Messen besonders bei Kindern das Thermometer mit Salbe besteichen. Nach dem Messen mit einem Alkoholtupfer reinigen.

·        Messen unter der Zunge: bei Kindern nicht so ideal, weil sie kaum die notwendige Zeit das Thermometer ruhig im Mund lassen. Oft ist auch die Nase so verstopft, dass der Mund nicht geschlossen werden kann.

·        Messungen in der Achselhöhle sind sehr ungenau, bis zu 2°C Unterschied kann auftreten! Auf jeden Fall ist die Temperatur um 0,5°C niedriger als die Körperkerntemperatur

·        Ohrthermometer: misst sehr schnell die Abstrahlwärme des Trommelfells.

·        Schnuller-, Pflaster- oder Stirn- Thermometer sind sehr ungenau, meist kann eine Mutter durch Fühlen auf der Stirn eine genauere Aussage treffen.

 

 

Ein starkes Immunsystem aufzubauen ist im ganzen Jahr wichtig, um im Notfall „Fieber“ die beste Waffe bei der Bekämpfung in sich zu haben.

Wir Apotheker beraten Sie gerne dabei!

Alles Gute, Mag. Eva Fellner

 

www.apotipps.at.tt

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