APOTIPP

Ernährung im Alter

 

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Der Neue Apotheker“ erschienen.

 

Obwohl es in Österreich genügend verschiedene Lebensmittel gibt, treten vor allem bei älteren Menschen Mangelerscheinungen durch falsche Ernährung oder diverse Stoffwechselprobleme auf.

Allein in Wien gibt es etwa 25.000 Single – Seniorenhaushalte, die von den Angehörigen nicht regelmäßig versorgt werden können. Alleinstehende Senioren essen weniger regelmäßig und wollen keinen großen Aufwand mit der Zubereitung ihrer Speisen betreiben.

 

Ursachen der Mangelerscheinungen

Im Alter verlangsamt sich der Stoffwechsel und der Nährstoffbedarf verändert sich. Es werden weniger Kalorien benötigt, aber der Eiweißbedarf steigt an, sodass Fette und Kohlenhydrate vermindert aufgenommen werden müssen gegenüber Jungen. Eine eiweißreiche und fettarme Mischkost, die reich an Ballaststoffen ist und viel Milch und Milchprodukte enthält, ist am sinnvollsten. Ältere Menschen sind häufig mit Vitamin C, E, B1 und B2, sowie Magnesium schlecht versorgt. Bei ungenügender Resorption aus dem Magen sind die Vitamin B12 Werte meist zu niedrig.

Im Alter nimmt die Leistung der Sinnesorgane ab, die Geruchs-, Geschmackwahrnehmungen brauchen einen deutlich höheren Schwellenwert als jüngere Menschen. Durch eine abnehmende Sehkraft geht auch der farbliche Eindruck der Speisen verloren, Der Teller wirkt nur mehr fad Ton in Ton.

Eine Ursache für Appetitlosigkeit im Alter kann auch eine Veränderung der Mundschleimhaut sein, oder verminderter Speichelfluss, Schwellungen, Risse in der Zunge, schlecht sitzende Zahnprothesen…

Aber auch eine eingeschränkte Mobilität (z.B. bei Gelenk- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen) kann die Möglichkeiten des Einkaufens und der Nahrungszubereitung begrenzen.

Manche Medikamente führen auch zu einem verminderten Appetit und Mangelernährung. Als Nebenwirkungen von Medikamenten treten häufig Übelkeit, Mundtrockenheit und Störungen des Magen-Darmtraktes (Durchfälle oder Verstopfung) auf. Erfahrungsgemäß führt jede Substanz mit einer sedierenden Wirkung auch zu einer Einschränkung der spontanen Nahrungsaufnahme.

 

 

Schluck- und Kaubeschwerden

Für Schluckstörungen gibt es viele mögliche Ursachen: Entzündungen der Schluckorgane, lokale Verdrängung bzw. Einengung durch Tumorbildungen, Struma, Schädigung der Nerven nach Operationen, zentralnervöse Störungen usw. Zur Abklärung sind ärztliche Untersuchungen notwendig.

Angepasste Darreichung der Lebensmittel: Harte Brotrinden oder Obstschalen entfernen. Besser Faschiertes als Schnitzelfleisch verwenden. Gekochtes weiches Gemüse kann besser geschluckt werden als Salat und Rohkost.

Pürieren von Obst, Gemüse, Kartoffeln. Hartkäse durch Aufstriche ersetzen.

Viel trinken, häufig Suppen und Soßen, auch Eintöpfe, servieren.

Ergänzung durch hochkalorische, nährstoffangereicherte Trinknahrung.

Schließlich sollte noch ein Zahnarzt die Zahnprothese immer wieder gut anpassen, weil sich das Zahnfleisch im Lauf des Alterns zurückbildet. Wegen schlechter Zähne oder schlecht sitzender Zahnprothese essen viele Senioren lieber weiche Sachen. Das bedeutet, sie kochen Fleisch und Gemüse länger als nötig und zerstören die Vitamine des Gemüses. So tritt die paradoxe Situation auf, dass sie zwar regelmäßig Gemüse essen und trotzdem zu wenige Vitamine zu sich nehmen.

 

Ausreichend Trinken

Ohne Wasser kein Leben! Ältere Menschen trinken oft zu wenig - schwere gesundheitliche Störungen bis zur tödlichen Dehydrierung können die Folgen sein. Senioren sind anfälliger für eine Austrocknung, weil die Nieren den Harn nicht mehr so gut konzentrieren können, häufig Abführmittel oder Laxantien genommen werden müssen. Wird das Blut aus Wassermangel dicker, mindert sich die Leistungsfähigkeit vieler Organe: Kopfschmerzen, Verstopfung, Verwirrtheit, bis zu Nieren- und Kreislaufversagen sind die Folgen.

Schluckstörungen, nachlassendes Durstempfinden, die Angst einer Inkontinenz oder vor nächtlichen Toilettenbesuchen können gefährliche Trinkhemmnisse sein.

Für viele Alleinlebenden kann das Transportieren schwerer Getränke vom Geschäft nach Hause zum Hindernis werden.

Menschen über 65 brauchen 2,3 Liter Flüssigkeit - ein Drittel davon aus fester Nahrung (Gemüse, Salat, Obst, Milchprodukte). 1,5 Liter Getränke müssen also täglich zugeführt werden.

Leitungswasser ist in fast allen Teilen Österreichs das beste Getränk. Medikamente sollten immer mit Wasser eingenommen werden. Milchprodukte und Antibiotika vertragen sich nicht immer, Grapefruit- oder Orangensaft können auch die aufgenommene Wirkdosis verändern.

Stille Mineralwässer sind günstig zum Trinken, weil sie die Calcium- oder Magnesiumspeicher auffüllen können. „Calciumhältige“ Mineralwasser müssen mindestens 150 mg Calcium pro Liter enthalten; ein „magnesiumreiches“ Mineralwasser muss mindestens 50 mg pro Liter aufweisen. Bessere Mineralwässer weisen aber noch höhere Werte auf.

Suppen und wasserreiches Obst sollten häufig am Speiseplan stehen. Bei Limonaden und Colagetränken muss der Zucker und Energiegehalt berücksichtigt werden.

 

 

Trinkplan nicht nur für Senioren

 

Frühstück       2 Tassen Milchkaffee, Tee oder Fruchtsaft                     300 ml

Jause             1Glas Saft                                                                               200 ml

Mittagessen   1 Teller Suppe, 1Glas Wasser oder Bier                         400 ml

Jause             1 Tasse Tee oder Milchkaffee                                             200 ml

Abendessen  1Tasse Tee und 1 Glas Saft, Wasser, Bier oder Wein  400 ml

Gesamtmenge                                                                                              1500 ml

 

Tipps für Senioren bei Appetitlosigkeit

·        Immer essen, wenn Appetit da ist.

·        Besser öfters kleinere Portionen, größere schrecken meist ab und der Appetit ist ganz weg. Snacks für Zwischendurch immer offen herumliegen lassen.

·        Essensgerüche vermeiden, mit Deckel kochen, Küche nach dem Kochen gut lüften, Speisen abdecken. Erst servieren, wenn die Gerichte schon abgekühlt sind, dann riechen sie nicht mehr so stark.

·        Wenig würzen, bei Bedarf kann nachgewürzt werden.

·        Fertiggerichte vorrätig halten, damit schnell etwas zubereitet werden kann. Bei zu langer Kochzeit verschwindet wieder der Appetit.

·        Speisen mit Liebe servieren, den Tisch hübsch decken – das Auge isst mit!

·        Zwischen den Mahlzeiten trinken, nicht vor oder während dem Essen, weil Flüssigkeit den Magen füllt und satt macht.

·        Appetitanregende Getränke bereithalten: ein Stamperl Wermut, Leaton®... eine Stunde vor dem Essen

·        Zeitnehmen fürs Essen.

·        Bei Mundtrockenheit kann der Speichelfluss durch Trinken oder Lutschen von sauren Zuckerln angeregt werden.

·        Regelmäßige sportliche Betätigung erhöht den Sauerstoffverbrauch der Gewebe, verbesserte Durchblutung und Nährstoffversorgung, die Förderung von Muskelaufbau und Fettverbrennung sowie eine gesteigerte Durchblutung der Gehirnzellen, der Appetit steigt wieder.

 

Bilanzierte Trinknahrung

Bilanzierte Trinknahrungen können die Ernährung ergänzen, Ernährungslücken ausgleichen. Der Körper wird mit ausreichend Eiweiß und Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt werden. Entweder ausschließlich, oder ergänzend zu normalen Mahlzeiten.

 

Essen ist nicht nur zur Nahrungsaufnahme notwendig, es hat auch einen großen Genuss- und Sozialfaktor!

Mag. Eva Fellner