APOTIPP

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Der Neue Apotheker“ erschienen.

DIE WELT STEHT AUCH FÜR DIABETIKER OFFEN

Urlaub MIT Diabetes – Nicht VOM Diabetes

 

Viele Diabetiker haben Angst, in den Urlaub zu fahren, weil sie Komplikationen mit ihrer Krankheit befürchten. Aber mit einer guten Planung kann die schönste Zeit des Jahres zum erholsamen Vergnügen werden.

 

Veränderte Verhaltensweisen im Urlaub

Je besser schon zu Hause gelernt wurde, mit dem Diabetes mellitus umzugehen, umso leichter wird die Bewältigung in neuen Situationen gelingen und auch eine gute Blutzuckereinstellung im Urlaub beibehalten werden können.

 

Checkliste für die Reise 

Ausreichende (am besten doppelt so viele wie benötigt) Medikamente und Testmaterialien mitnehmen. Ein Teil davon sollte im Handgepäck mitgenommen werden, die anderen Teile auf verschiedene Gepäckstücke aufteilen, um einem gänzlichen Verlust vorzubeugen. Insulin ist gegenüber extremen Temperaturen (weniger als zwei Grad und mehr als 40 Grad) zu schützen. Am Strand Spritzen oder Pen vor Sand schützen.

Schon vor der Reise sollten Informationen über die Krankenversicherung des Urlaublandes eingeholt werden.

 

 

Der Reiseproviant 
Der Reiseproviant muss stets im Handgepäck verfügbar sein, er sollte ausreichend groß sein, um unerwartete Verzögerungen abdecken zu können. Nahrungsmittel mit langsamwirkenden Kohlehydraten wie Brot, Kekse oder Trockenobst sind gut geeignet. 
Bei Auslandsreisen sind Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes zu berücksichtigen. Eine ärztliche Bescheinigung für die Diabestes-Notfallration mitnehmen.

 

Flugreisen 

·        Faustregel: Weniger essen, mehr trinken! Durch die niedrige Luftfeuchtigkeit an Bord eines Flugzeugs braucht der Körper dreimal soviel Flüssigkeit wie am Boden. Am besten jede Stunde einen Becher Mineralwasser oder verdünnten Fruchtsaft trinken

·        Sondermenü für Diabetiker schon beim Buchen bestellen, spätestens aber zwei Tage vor dem Abflug.

·        Ein ärztliches Attest mitnehmen, dass Insulinspritzen, Nadeln… unbedingt an Bord mitgenommen werden müssen und nicht von der Bodenkontrolle abgenommen werden darf.

·        Der gesamte Insulinvorrat sollte in das Flugzeug mitgenommen werden, weil im Gepäckraum Temperaturen unter dem Gefrierpunkt herrschen können, die Insulin zerstören können. An Bord die Insulinpackungen in einer Kühlbox transportieren oder in den Bordkühlschrank geben.

·        Bei Langstreckenflügen alle drei Stunden den Blutzucker messen.

·        Nord-Süd-Flüge: keine Veränderung der Insulindosen, weil man in derselben Zeitzone bleibt!

·        Bei Westflügen über sechs oder mehr Zeitzonen hinweg verlängert sich der Tag, der Insulinbedarf steigt: Der Diabetiker benötigt eine zusätzliche kurzwirksame Insulindosis und eine zusätzliche Mahlzeit.

·        Bei Ostflügen verkürzt sich der Tag - der Insulinbedarf sinkt. Deshalb wird im Flugzeug zur nächsten üblichen Hauptmahlzeit weniger Verzögerungsinsulin gespritzt, oder es werden zusätzliche Snacks gegessen.

·        Die größte Hypoglykämiegefahr besteht nach Langstreckenflügen aber während der ersten Nacht nach der Zeitverschiebung, weil man noch nicht auf den neuen Rhythmus eingestellt ist und die Reise körperlich anstrengend war. Zusätzliche Blutzuckerkontrollen, essen von Kohlehydraten, um im Gleichgewicht zu bleiben!

·        Bei der Reise eher höhere Blutzuckerwerte akzeptieren, als eine Unterzuckerung zu riskieren.

 

Autoreisen

·        Bei Autofahrten alle zwei Stunden eine Pause einlegen und auf den Blutzucker achten.

·        Schon leichte Unterzuckerungen beeinträchtigen deutlich die Konzentration beim Autofahren!

·        Bei den ersten Anzeichen von Hypoglykämie das Auto sicher parken und Traubenzucker einnehmen.

·        Vorsicht auch bei Nachtfahrten, weil bei Diabetikern der Ausfall des Gesichtsfeldes erst in der Dunkelheit bemerkt wird.

·        Längere Strecken sollte ein Diabetiker nach Möglichkeit nicht alleine fahren.

 

Das Essen im Ausland  

·        Austausch-Tabellen über den Kohlenhydratgehalt von exotischen Früchten und Gemüsesorten mitnehmen!

·        Den Urlaub nützen, um die Vitamin- und Mineralstoffspeicher, die beim Diabetiker oft zu nieder sind, mit gesunder Ernährung aufzufüllen.

·        Durch Testen von ausländischer Kost und anschließender Blutzuckerkontrolle können viele Erfahrungen gesammelt werden.

·        Mitnahme von Süßstoff

 

 Tipps

·        Wichtige Begriffe in der Landessprache notieren: Namen für bestimmte Lebensmittel, „Diabetiker“, „Unterzuckerung“, „Insulin“, „Spritzen“…

·        Impfungen schon einige Wochen vor der Reise durchführen, damit eventuelle Blutzuckerschwankungen schon zu Hause ausgeglichen werden können. Besonders wichtig sind Impfungen gegen Typhus und Cholera, weil Durchfallerkrankungen zu schweren Stoffwechselentgleisungen führen.

·        Durchfall und Erbrechen lässt den Mineral- und Wasserhaushalt schnell entgleisen. Viel Schwarztee mit Zucker gesüßt trinken, leicht verdauliche Kohlehydrate zu sich nehmen. Basisinsulin sollte auch weitergespritzt werden, häufig Blutzucker messen, ebenso Acetonkontrollen im Urin, um die weiteren Insulinmengen zu berechnen und Hypoglykämien zu vermeiden.  Bei oraler Therapie und starkem Durchfall kann sogar eine Dosis weggelassen werden.

·        Die Elektrolytlösung (2 Esslöffel Zucker, 1 Teelöffel Salz in einem Liter Orangensaft gelöst) enthält etwa 13BE, sie eignet sich bei Diarrhöe nicht nur für Diabetiker!

·        Auf kleine Verletzungen achten: kleine Risse, Blasen können sich schnell entzünden und ein diabetisches Fußsyndrom auslösen.

·        Gutes, weiches Schuhwerk verwenden, um Wunden und Druckstellen beim Sightseeing zu vermeiden.

·        Insulininjektion unter intensiver Sonnenbestrahlung kann die Insulinwirkung beschleunigen.

 

Komplikationen

Um Komplikationen zu vermeiden, sollten Diabetiker auf Reisen noch gewissenhafter als zu Hause ihre Blutzuckerwerte kontrollieren.

·        Hypoglykämie kann im Urlaub leicht entstehen durch eine vermehrte körperliche Bewegung, Sport, durch die  Zeitverschiebung, bei Reisediarrhö, durch eine geringere Nahrungsaufnahme bei Hitze. Deshalb sollte stets Traubenzucker und eine Kleine Zwischenmahlzeit mitgenommen werden.

 

 

Eine gute Urlaubsplanung, damit Sie eine wirklich erholsame Zeit erleben können.

Mag. Eva Fellner