APOTIPP

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Der Neue Apotheker“ erschienen.

 

LYME BORRELIOSE

 

Borreliose ist eine weltweit relativ häufig auftretende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird. Die Bezeichnung „Lyme- Disease“ oder „Lyme-Borreliose“ bezieht sich auf den Ort Lyme in Connecticut/USA. Dort wurde in den 1970er Jahren ein Krankheitsbild mit  Gelenksentzündungen beschrieben, das in Zusammenhang mit Zeckenbissen gebracht wurde. Erst 1981 hat in den USA der Schweizer Wilhelm Burgdorfer die Ursache dafür entdeckt – ein Bakterium der Gattung „Borrelia“ aus der Familie der Spirochäten.

Der Erreger Borrelia burgdorferi ist eng verwandt mit dem Erreger der Syphilis.

 

Entstehung der Borreliose

In Mittel- und Nordeuropa sind etwa fünf bis 35 Prozent der Zecken Träger von Borrelien, die von der Maus gesaugt wurden.

Im Darm von Zecken (Ixodes ricinus) leben diese Bakterien. Beim Stich der Zecke können die Borrelien in den menschlichen Organismus eindringen, nicht sofort, wie die FSME-Viren, sondern erst 6-48 Stunden nach dem Festsaugen. Je länger eine Zecke an der Haut saugt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung. Wird der Zeck beim Entfernen gequetscht, so erhöht sich die Ansteckungsgefahr deutlich, weil der Erreger aus dem Darm der Zecken in den Stechrüssel gepresst wird. Aber nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zur Ansteckung, und nicht jede Ansteckung führt zur Erkrankung. Etwa 10% der Erwachsenen haben Antikörper gegen das Bakterium im Blut; nur wenige sind wirklich erkrankt. Diese Antikörper bilden aber keinen Schutz vor weiteren Ansteckungen. An Borreliose erkrankte Personen sind nicht ansteckend! Allerdings besteht bei einer infizierten schwangeren Frau die Gefahr einer Totgeburt oder Schädigung des Ungeborenen.

 

Krankheitsstadien

Die Borreliose verläuft schubweise in mehreren Krankheitsstadien. Jeder Mensch entwickelt aber eine eigene Krankengeschichte, weil Stadien übersprungen werden und andere Krankheitsbilder massiv auftreten können. Jahrelange Latenzzeiten sind ebenfalls möglich.

 

1.     Stadium: Lokalinfektion: Erythema chronicum migrans, Wanderröte

Auftreten einer Rötung im Bereich der Einstichstelle, einige Tage bis zu drei Wochen nach dem Stich. Dieser rote Fleck wird immer größer, in der Mitte heller, sodass er ringförmig erscheint. Ein solches Erythem kann auch an anderen Körperstellen auftreten. Diese Hautveränderung schmerzt nicht, allerdings können unspezifische Krankheitsanzeichen wie Fieber, Bindehautentzündung, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenksschmerzen oder Lymphknoten-Schwellungen auftreten.

2.     Stadium: Das zweite Stadium kann auch ohne vorherige Hautveränderungen und sehr bald nach dem Zeckenstich auftreten.

Da die Bakterien im Körper bleiben, können sie sich im ganzen Organismus ausbreiten. Sie bleiben nur kurz im Blut, setzen sich dann im Bindegewebe fest und sind dort mit Antibiotika nur mehr schwer zu bekämpfen. Neben Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit, Fieber…sind starke Schweißausbrüche charakteristisch. Gefährlicher ist der Befall des Nervensystems. Es kann zu einer „Neuroborreliose“ kommen: Empfindungsstörungen (Kribbeln), Nervenwurzelentzündungen, Schmerzen, Lähmungen der Gehirnnerven. Die Konzentrationsfähigkeit und kognitive Fähigkeiten werden außer Kraft gesetzt. Bei einigen Patienten kann sich der Herzmuskel entzünden, Rhythmusstörungen oder Verlangsamung des Herzschlages treten auch auf. Fehldiagnosen sind besonders in diesem Stadium möglich.

3.     Stadium: erst Monate bis Jahre nach der Infektion

Lyme-Arthritis: schubweise verlaufende Gelenksentzündungen verschiedener Gelenke mit schmerzhaften Schwellungen. Außerdem können Hautveränderungen auftreten - Schwellungen und  rötlich-violett Verfärbung der Haut an den Streckseiten der Arme und Beine. Die Haut verdünnt sich zigarettenpapierartig, Blutgefäße treten hervor. Die Ursache dieser Spätfolgen einer Borrelieninfektion kann mit dem Nachweis der Antikörper im Liquor festgestellt werden.

 

Schutz vor einer Borreliose

·        Lange Hosen und langärmelige Kleidung beim Aufenthalt im Wald und auf Wiesen. Ab 7 Grad plus suchen Zecken nach geeigneten Wirten.

·        Icaridin oder DEET (Diethyltoluolamid) als Repellent stören den Orientierungssinn der Zecke, so dass sie keine attraktive Stelle am Körper findet und sich wieder fallen lässt. Die Schutzwirkung gegen Zecken lässt aber deutlich früher nach als gegen Insekten.

·        Da sich Zecken oft erst nach Stunden festsaugen, kann man sie mit dem Duschen vom Körper schwemmen.

·        Am Abend den gesamten Körper inklusive der Kopfhaut genau nach Zecken absuchen. Die Zecken bevorzugen feuchte, gut durchblutete Körperstellen wie die Achselhöhlen, den Haaransatz hinter dem Ohr, Nabel oder den Genitalbereich.

·        Vorsichtig die Zecken entfernen! Mit einer Pinzette den Stechapparat der Zecke nahe an der Haut gerade herausziehen. Nicht quetschen!

·        Desinfektion der Stichstelle

·        Beobachtung der Stichstelle einige Wochen lang.

·        Waschen der Kleidung bei 60 Grad (Zecken überleben bis 40 Grad)

·        Eine Übertragung durch Stiche von Fliegen, Mücken oder Wespen ist möglich, aber selten.

·        Bei kreisförmiger Hautrötung nach einem Stich sofort den Arzt aufsuchen; im Anfangsstadium können die Borrelien effektiv mit Antibiotika inaktiviert werden. Eine ausreichend lange und hochdosierte Therapie ist dazu notwendig.

·        Hunde und Katzenbesitzer sollten ihre Tiere auch immer gut nach Zecken absuchen, denn Zeckenbisse können für verschiedene Infektionserkrankungen der Haustiere verantwortlich sein.

·        Spezielle Labors können innerhalb einigen Tagen in einem DNA –Test feststellen, ob eine Zecke Borrelienbakterien, FSME-Viren oder andere Keime in sich getragen hat. So kann rasch mit einer effektiven Therapie begonnen werden.

 

In Europa gibt es keine Impfung, die vor Borreliose schützt, da es gibt hier zu viele verschiedene Stämme des Borreliosebakteriums gibt. In den USA hat es eine Impfung gegen Borreliose gegeben, weil dort nur ein Stamm auftritt. Diese Impfung wurde aber wieder eingestellt, weil die Nachfrage dafür zu gering war.