Apotipp

DAS BLUTBILD

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Der Neue Apotheker“ erschienen.

Blutbild eines gesunden Menschen

 

 

 

Unser Blut  (5-6 Liter) besteht etwa zu 45% aus festen Anteilen (Rote, Weiße Blutkörperchen und Blutplättchen) und zu 55% aus dem Plasma (90% Wasser, 8% Eiweiß, Fette, Zucker, Mineralstoffe, Vitamine, Hormone, Enzyme…).

Ein „Blutbild“ gibt Auskunft über die zellulären Anteile des Blutes in einer bestimmten Menge an Blut. Der Anlass, ein Blutbild machen zulassen, ist vielfältig: Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung, bei Verdacht auf Infektionen, Tumore oder als Verlaufskontrolle vieler Erkrankungen, vor operativen Eingriffen.

Für das Auszählen wird dabei ein automatisches Zählgerät verwendet – ein „Coulter-Counter“.

Kleines Blutbild:

1.     Die Blutzellen

·        Erythrozyten – rote Blutkörperchen

·        Thrombozyten - Blutplättchen

·        Retikulozyten - Unreife rote Blutkörperchen (ihr Anteil ist ein Maß für die Bluterneuerung)

2.     Hämatokrit – Zellanteil des Blutes (wird in der Regel allein auf den Erythrozytenanteil bezogen)

3.     Hämoglobin – roter Blutfarbstoff

4.     Methämoglobin: eine chemische Variante des roten Blutfarbstoffes

5.     MCV – mittleres Zellvolumen der Erythrozyten (erhöhte Werte treten bei einer Störung der Zellteilung auf)

6.     MCH (=HbE): mittlerer Gehalt an Blutfarbstoff des einzelnen roten Blutkörperchens. Änderungen der Norm zeigen Mangel an Vit B12, Folsäure, Eisen oder Kupfer auf.

7.     MCHM: mittlere zelluläre Hämoglobinkonzentration der Erythrozyten, gibt Auskunft über ihre Elastizität.

 

Erythrozyten:

Frauen: 4,1- 5,1 Millionen pro µl

Männer: 4,5 - 5,9 Millionen pro µl

Im Blutbild erscheinen Erythrozyten als gleichgroße (7,5µm), doppelkonturierte Scheiben, kernlos, mit einer zentralen Delle. Die Erythrozyten werden im Knochenmark unter dem Einfluss des Hormons Erythropoietins gebildet. Um eine ausreichende Menge an Erythrozyten bilden zu können, sind Eisen, Vit B12 und Folsäure notwendig. In jeder Sekunde entstehen zwei Millionen neue Erythrozyten. Etwa 30 Billionen kreisen ständig im Blut. Ihre Lebensdauer beträgt etwa 100-120 Tage. In dieser Zeit legen sie 300 -500 Kilometer in der Blutbahn zurück. In der Milz werden sie wieder abgebaut.

Die Erythrozyten enthalten das Sauerstofftransportprotein Hämoglobin, das den Sauerstoff in den Arterien von der Lunge zu den peripheren Geweben und in den Venen Kohlenstoff zurück zur Lunge transportiert.

Erhöhte Werte (Polyglobulie): bei Flüssigkeitsmangel, Herz- Lungenerkrankungen,  Leben im Hochgebirge
erniedrigte Werte (Anämie): Blutung, Eisen-, Vit B12- bzw. Folsäuremangel, chronische Entzündungen, Infektionen…

 

Hämoglobin (Hb)

Frauen: 12 - 16 g/dl

Männer: 14 - 18 g/dl

Hämoglobin ist das Sauerstoff transportierende Protein (ein eisenhältiges Globin) in den Erythrozyten. Die Hämoglobinkonzentration gibt eine Aussage über die effektive Sauerstofftransportkapazität des Blutes.

Man kann verschiedene Hämoglobine unterscheiden: Hb S – „Sichelzellen –Hb“ (vorwiegend bei Neger und Südeuropäer), Hb D (hauptsächlich in USA, England, Nordafrika), Hb E (Inder), Hb H (Chinesen) und viele weitere Varianten, die vererbt werden.

erhöht: Polyglobulie, starker Nikotinabusus, längerer Aufenthalt in Höhenlagen.
erniedrigt:
Anämie, Blutverlust. In der Schwangerschaft kann der Hb –Wert durch Zunahme des Plasmavolumens sinken.

 

Hämatokrit: Prozent- Angabe der Erythrozytenmenge im Volumen des peripheren Blutes.

Frauen: 37 - 48 %

Männer: 45 - 52 %

erhöht: „dickes Blut“ Die Fließeigenschaften des Blutes werden durch ihre Zähigkeit vermindert, sodass es zu einer Belastung des Herzens und zu Durchblutungsstörungen kommen kann.

·        vermindertes Plasmavolumen (ungenügender Flüssigkeitszufuhr oder erhöhtem Flüssigkeitsverlust - Durchfall, Erbrechen)

·        erhöhte rote Blutzellmasse

erniedrigt: Blutverlust: innerhalb von 12-36 Stunden normalisiert sich die Blutmenge durch Zunahme der intravasalen Flüssigkeitsmenge wieder und der Hämatokrit fällt kontinuierlich ab.

 

Thrombozyten - Blutplättchen (thrombos griech. - Dicker Tropfen)

Männer und Frauen: 140.000 - 400.000 pro µl

Sie werden im Knochenmark gebildet, nach 7-10 Tagen werden sie wieder in der Milz oder Leber abgebaut.

Die Thrombozyten sind für den Verschluss eines Gefäßwanddefektes durch einen Thrombozytenpropf  (Thrombus) verantwortlich, sie leiten die Blutgerinnung ein.

erhöht: Infektionen, nach Blutung, postoperativ (nach einer Woche), nach körperlicher Anstrengung (nach 15 Minuten, Anstieg um 50%!), Tumore, Chemotherapie, chronisch myeloische Leukämie, Eisenmangel. Bei werten über 1 Million/µl besteht die Gefahr einer Thrombose.
erniedrigt
: Werte < 60.000/µl können langwierige Blutungen nach Verletzungen verursachen; Werte < 10.000/µl können zu lebensbedrohlichen Spontanblutungen führen. Lebererkrankungen, Schlangen-, Insekten- Bisse, Giftstoffe, Strahlung… können wegen einer Thrombopenie Blutungen auslösen.

Medikamente, wie Thrombo Ass®, Plavix®, Tiklid® verhindern das Zusammenballen der Thrombozyten, Thromboreduktin® senkt die Thrombozytenanzahl.

 

Beim großen Blutbild (Differenzialblutbild) werden zusätzlich zum kleinen Blutbild noch die verschiedenen weißen Blutzellen untersucht:

      Leukozyten – Weiße Blutkörperchen

o       Granulozyten (60%)

o       Lymphozyten (36%)

o       Monozyten (4%)

 

Weißes Blutbild

Leukozyten:  weiße Blutzellen („leukos“ griech. – weiß)

Männer und Frauen: 5.000 - 9.000 pro µl

Auf ein weißes Blutkörperchen befinden sich im Blut etwa 800 Rote. Die Zahl der Leukozyten ändert sich ständig, nach einer Mahlzeit steigt sie an, sodass nur das Blut eines Nüchternen aussagekräftig ist.  Die Lebensdauer der Leukozyten beträgt 2-4 Tage!

Leukozyten können durch ihre amöboide Eigenbeweglichkeit aus den Blutgefäßen in das umliegende Gewebe auswandern, z.B. bei Entzündungen. Sie bekämpfen durch Phagozytose (enzymatische Auflösung körperfremder Organismen) eindringende Keime. Nur 10% der Leukozyten kreisen im Blut. Der Rest befindet sich im Gewebe, Knochenmark, in Lymphknoten; sie werden rasch mobilisiert, wenn irgendwo im Körper eine Entzündung oder Verletzung auftritt.

Bei Veränderungen der Leukozytenzahl sind meist die neutrophilen Granulozyten oder die Lymphozyten erhöht oder vermindert. Seltener die anderen weißen Blutzellen.

erhöht (Leukozytose): Abwehrsystem in Alarmbereitschaft: Infektionen, die durch Bakterien, Pilze, aber nicht durch Viren, ausgelöst werden!) - 3-5x so viele Zellen sind feststellbar. Auch bei Stress, Vergiftungen, Schock, Rheuma...sind die Werte massiv erhöht, bei starken Rauchern kann die Leukozytenzahl auf 15.000/ µl ansteigen.
erniedrigt (Leukopenie): Viruserkrankungen: Masern, Mumps, Röteln, HIV, Chemo- Strahlentherapie, Medikamente (Schmerzmittel, Schilddrüsenhormone…). Eine starke Verminderung der Leukozyten geht mit einer erhöhten Infektanfälligkeit einher.

Bei Leukämie, Sepsis, Typhus, Malaria kann die Leukozytenzahl sowohl massiv erhöht als auch erniedrigt sein.

Erhöhte Werte im Urin bedeuten eine Erkrankung der Niere, Harnwege oder Prostata.

 

1.    Granulozyten werden im Knochenmark bebildet

Stabkernige neutrophile Granulozyten und Segmentkernige neutrophile Granulozyten: werden beim Eindringen von Keimen aktiv, indem sie mit ihren Enzymen die Auflösung körperfremder Strukturen bewirken.

Eosinophile Granulozyten (Granula färbt sich rot): bei Scharlach und parasitären Erkrankungen sind sie stark vermehrt. Bei Allergikern greifen sie aber auch Pollen und andere Allergene an.

Basophile Granulozyten: Diese Zellen enthalten unter anderem Heparin, sind auch Mediatoren der Allergie.

 

2.    Lymphozyten lympha lat. – klares Wasser

Lymphozyten werden im Knochenmark und im lymphatischen Gewebe (Lymphknoten, Milz) gebildet. Über 300 Milliarden Lymphozyten bewachen unseren Körper! 

Die Lymphozyten haben eine große Bedeutung für die Abwehr von Infektionen (Viren-, Pilzinfektionen) und Antikörperbildung gegen Fremdeiweiß. Nur 5 % (15 Milliarden) aller Lymphozyten befinden sich im peripheren Blut, der Rest wartet auf den Einsatz in den Lymphknoten und im Lymphgefäßsystem. Kinder haben höhere Lymphozytenwerte als Erwachsene.

T- Lymphozyten (Thymus): binden sich direkt an fremde Zellen und vernichten sie.

B - Lymphozyten (Bone Marrow): produzieren Immunglobuline nach einem Kontakt mit Antigene

NK Zellen (natürliche Killerzellen): töten vireninfizierte Zellen und Tumorzellen ab.

erhöht: verschiedene virale Infektionen, Überfunktion der Schilddrüse
erniedrigt: Autoimmunerkrankungen (z.B. Lupus erythematodes), Chemotherapie, Strahlentherapie, verschiedene Virusinfektionen (z.B. HIV)…

 

3.    Monozyten sind die größten Blutzellen.

Ihre Aufgabe besteht in der Phagozytose von Bakterien, Viren oder Stoffwechselmüll und der Antigenbildung bei Infektionen und Allergien. Wenn die Werte der Monozyten erhöht sind, klingt meist eine Infektion wieder ab.

 

 

Blutsenkung

Die Blutsenkung misst, wie schnell Erythrozyten in einem Röhrchen auf den Boden sinken.
Erhöht: Anzeichen für eine Entzündung irgendwo im Körper, Rheuma, Anämie, Schwangerschaft

Erniedrigt: Allergische Erkrankung, Herzschwäche…Medikamente (Acetylsalizylsäure, Kortison, Antirheumatika)

 

Viele Aufgaben hat das Blut zu erledigen:

·        Atmungsfunktion

·        Ernährung

·        Stoffwechsel, Entgiftung

·        Pufferfunktion

·        Temperaturregulierung

·        Hormon- Enzym- Medikament- Transport

·        Abwehrfunktion

 

Blut ist ein wirklich besonderer Saft!

Mag. Eva Fellner