Apotipp

Blähungen

 

 

Die Bildung von Gasen im Darm ist ein natürlicher Teil des menschlichen Verdauungsvorganges. Wenn die Bauchspeicheldrüse im Alter weniger Enzyme zur Verdauung von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweiß produziert, werden die Speisen im Dünndarm nicht mehr ausreichend aufgeschlossen. Vor allem nach dem Genuss fetthaltiger Nahrung kommt es zu Bauchschmerzen und Blähungen.

Während der Verdauung entstehen im Darm pro Tag bis zu 15 Liter Gase, die meisten davon gelangen unbemerkt wieder in den Blutkreislauf und werden ausgeatmet. Nur 0,5-1,5 Liter Gas werden über den Anus abgegeben. Bis zu 15 Winde auf der Toilette pro Tag sind normal. Wenn sie öfter auftreten und nicht kontrolliert werden können, dann kann eine Krankheit dahinter stehen. Viele Menschen sind einem großen Leidensdruck ausgesetzt und flüchten sich sogar in eine Isolation.

Meteorismus“: Gasbildung im ganzen Magen- Darmbereich

Flatulenz“: Gasbildung im Dickdarm 

Die vermehrte Gasansammlung kann verschiedene Ursachen haben:

·         Falsche Ernährung - zu fettreich, frisches Brotwaren...

·         Stress, Nervosität, Ärger

·         Störungen der Darmflora: Fehlbesiedlung: zu viele Keime, die falschen Keime bzw. die richtigen Keime,die am falschen Ort verdauen.Sie produzieren zu viel Gas durch Gärung. Dies kann insbesondere bei einer Ernährungsumstellung (Beginn oder Ende einer Diät, auf Reisen) passieren.

·         Magen – Darmerkrankungen: Reizdarm, Morbus Crohn, zu geringe Sekretion an Verdauungsenzymen, Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse, Erkrankungen der Galle, Hämorrhoiden

·         Im Gegensatz zum Dickdarm gibt es normalerweise im Dünndarm kaum Bakterien. Wird nun dieser dennoch stark besiedelt, kommt es zu vermehrter Gärung.

·         Medikamente: z. B. Antibiotika ( zerstören die gute Darmflora, eine Neubesiedelung von falschen Bakterien begünstigen eine vermehrte Gasbildung) Diabetesmedikamente: z.B. Acarbose hemmt bestimmte Verdauungsenzyme. Dadurch gelangen zu viel unverdaute Kohlenhydrate in zu tiefe Darmabschnitte, also ins Bakterienrevier: Es kommt zu vermehrter Gasbildung!

·         Flugreisen: veränderter Luftdruck, langes Sitzen

 

Richtiges Essen:

·         Keine Luft schlucken: Langsam essen, gründlich kauen.

·         Nicht über den Sättigungspunkt hinaus essen - Völlegefühl stellt sich sonst rasch ein

·         Vermeiden von opulenten Mahlzeiten am Abend

·         Vermeiden von Hülsenfrüchten (Erbsen, Fisolen, Linsen, Bohnen), Kohl, Paprika, Champignons, Zwiebel

·         Wenig blähendes Gemüse und Obst sind Salat, Gurken, Spargel, Zucchini, Brokkoli, Avocado, Beeren, Grapefruit.

·         Kräutertees gegen Blähungen mindestens drei Mal täglich trinken: Pfefferminze, Anis, Kümmel, Fenchel, Melisse, Ingwer.

·         Geht das Völlegefühl auf eine Verdauungsschwäche zurück, können Bitterstoffe hilfreich sein. z. B. Enzianwurzel, Tausendguldenkraut, Südafrikanischer Teufelskralle, Wermut oder Grapefruitschalen etc. regen reflektorisch die Magensaftproduktion an.

·         Beim Selber kochen immer, wenn es passt, Kümmel oder Fenchel, Ingwer, Curcuma mit kochen. Sie re­gen die Verdauung an und verhindern ein Überhandnehmen von bakterieller Gärung.

·         Blähungstreibende (carminative) und krampflösende Wirkung entfalten die ätherischen Öle von Anis, Basilikum, Kümmel, Fenchel, Koriander, Kamille, Pfefferminze, Melisse und weiteren Heilkräutern.

·         Vermeiden von größeren Mengen Rohkost oder unreifem Obst.

·         Helles, frisches Brot  und Hefeteig vermeiden.

·         Besser sind wenig blähende Kohlehydrate, wie Reis, Cornflakes, Grahambrot, Kartoffelchips

·         Wenig blähendes Eiweiß: Geflügel, Fisch, Eier

·         Blähend wirken kohlensäurehältigen Getränke wie Mineralwasser, Limonaden Sekt, auch wenig Alkohol und Kaffee trinken, trotzdem aber genug Flüssigkeit zu sich nehmen!

·         Warmes Wasser oder heiße Milch mit einigen Tropfen Nelken-, Fenchel-, oder Kümmelöl wirken beruhigend

·         Nicht fett kochen, nichts Paniertes oder Frittiertes

·         Zucker und Süßigkeiten einschränken

·         Aber auch Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Isomalt, Xylit können Blähungen und Durchfall hervorrufen.

·         Nur langsames Umstellen auf eine andere Ernährung bei Diäten, in fremden Ländern

·         Vorsicht bei Vollwerternährung. Zu viele Ballaststoffe wie Cellulose oder Pektin sind weitgehend unverdaulich, können oft nicht abgebaut werden, weil die Verdauungsenzyme fehlen. Sie gelangen unverdaut in den Dickdarm und werden dort von den Bakterien vergärt.

 

 

Weitere Tipps zum Lindern der Blähungs-Beschwerden:

·         Jeder muss selber herausfinden, was seinem Körper gut tut. Führen eines Tagsbuches bewährt sich dabei sehr, mit Aufzeichnungen der Ernährung, Bewegung und der Befindlichkeit

·         Ausreichende Bewegung, um den Darm in Schwung zu halten, (viel spazieren gehen reicht auch schon)

·         Motilitätsstörungen: Blähungen und Völlegefühl können auch entstehen, wenn die "Darmwellen", die den Speisebrei vorantreiben, zu schwach oder unkoordiniert sind, diverse Medikamente stehen dagegen zur Verfügung ( Metoclopramid, Domperidon)

·         Bauchmassage: mit warmen Händen drei Minuten lang um den Nabel herumkreisen

·         Bauch mit einer Windsalbe einreiben

·         Feuchtwarme Bauchwickel, Auflegen einer Wärmeflasche, Bäder haben eine entspannende und entkrampfende Wirkung

·         Entschäumende Medikamente können die Gasblasen im Darm zusammenfallen lassen. Häufig verwendet wird eine Kombination von Dimeticon und Siliciumdioxid, die in Form von Tabletten und Suspensionen erhältlich ist. Sie bekämpfen weitere Gasbildungen und fördern den Weitertransport des Darminhaltes.

·         Verdauungsenzyme: Die für die Verdauung wichtigsten Enzyme werden beim Gesunden von der Bauchspeicheldrüse in ausreichender Menge gebildet und brauchen in der Regel nicht ergänzt zu werden. Präparate mit diesem Pankreatin sind als standardisierter Extrakt erhältlich und nur bei ungenügender Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse sinnvoll, um die Verdauung zu unterstützen. Eine Kombination mit Entschäumern bewährt sich sehr.

·         Homöopathisch wirkt Carbo veg. am besten.

·         Bei häufigem Luftschlucken: Erlernen von Entspannungstechniken und richtigem Atmen.

·         Auch Hypnose kann eine Erleichterung bringen.

·         Aufschluss über Probleme im Magen- Darmbereich geben auch eine Spiegelung des Dünn- und Dickdarms, Ultraschalluntersuchungen, ein Atemtest, Stuhlproben…

 

Nahrungsunverträglichkeiten beachten:

Laktoseintoleranz: häufig ein Grund für Reizdarmprobleme und Blähungen

Den Patienten fehlt das Milchzucker verdauende Enzym Laktase, das Laktose in Glukose und Galaktose spaltet. So bleibt der Milchzucker im Darm, nimmt osmotisch Wasser auf, ein Durchfall entsteht. Meiden von Milchprodukten, nur kleine Mengen von Joghurt, Butter oder gereiftem Käse (enthalten wenig Laktose) essen. Im Handel gibt es jetzt auch laktosefreie Lebensmittel! Bei leichtem Laktase- Mangel kann dieses Enzym (in Kapsel gepresst) ersetzt werden. Vielen Menschen fehlt dieses Enzym, besonders vielen Asiaten, sodass in der östlichen Küche keine Milchprodukte verwendet werden.

Kohlenhydratresorptionsstörungen: speziell bei Fruchtzucker

Wenn Fruchtzucker (Fructose) nicht ausreichend aus dem Dünndarm resorbiert wird, gelangen große Konzentrationen in den Dickdarm. Dort wird der Fruchtzucker von Darmbakterien aufgenommen und vermehrt CO² gebildet. Blähungen, Bauchkrämpfe, Darmgeräusche, plötzlicher Stuhldrang mit Schleim treten auf. Sollte dieser Fermentationsprozess bereits im Dünndarm stattfinden, so tritt oft gleichzeitig eine Tryptophanmalabsorption auf, die zu einem Serotoninmangel führt und Depressionen erzeugen kann.

Vermeiden von Fruchtzucker! Obst ist verträglicher, wenn gleichzeitig Traubenzucker eingenommen wird. Kochzucker wird normal resorbiert.

Gluten-Allergie: Zöliakie:

In den letzten Jahren wird diese Allergie immer häufiger auch im Erwachsenenalter diagnostiziert. Das industriell hergestellt Brot enthält größere Mengen an Proteinen, damit das Brot luftiger wird. Deshalb wird auch viel mehr Gluten (Klebereiweiß) zu sich genommen, das für Autoimmunerkrankungen im Darm verantwortlich ist. Eine glutenarme, oder sogar freie Diät einige Wochen lang bessert meist die Reizdarmbeschwerden und Blähungen.

 

 

 

 

 

 

Wenn die Beschwerden nach kurzer Zeit nicht wieder verschwinden und die Selbstbehandlungsversuche nicht helfen, so sollte unbedingt Hilfe beim Arzt gesucht werden. Für Beratungen in der Apotheke helfen wir Ihnen gerne.

Mag. Eva Fellner

 

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