Apotipp

Asthma

Viele Asthmapatienten werden noch immer nicht ausreichend therapiert!

 

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Der Neue Apotheker“ erschienen.

Asthma ist eine chronische Lungenerkrankung der kleinen Atemwege, die zu Hustanfällen, pfeifender Atmung und Atemnot führt. Die Beschwerden treten anfallsartig auf. Ursachen sind meist eine Entzündung der Atemwege und eine Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut. Bei einem Anfall schwillt diese an, die glatte Atemmuskulatur der Bronchialwand verkrampft sich akut. Die Bronchien verengen sich noch mehr, zäher Schleim verstopft die Öffnung der Bronchien.

Meist treten anfallsartige Verschlechterungen auf. Der häufigste Auslöser für einen Asthmaanfall ist eine Virusinfektion der Atemwege, darüber hinaus können allergische Reaktionen gegen z.B. Nahrungsmittel, Tierhaare oder Pollen Verschlechterungen bewirken.

 

Asthma bronchiale betrifft Menschen aller Altersklassen und ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.

Bereits jedes vierte  Kind hat während der Kindheit zeitweise asthmaähnliche Beschwerden und etwa 10% aller Kinder entwickeln auch tatsächlich Asthma. Da bei nur 40% der Betroffenen das Asthma beim Heranwachsen von selbst verschwindet, ist eine wirkungsvolle Therapie bereits zu Beginn notwendig. Unbehandeltes Asthma verschlechtert sich zunehmend, die Entzündungen der Atemwege schreiten fort. Langzeitschäden der Lunge und Störungen in der Allgemeinentwicklung können die Folgen sein.

 

Beschwerden bei Kindern

Lang andauernde Hustanfälle (ohne Erkältungssymptome), häufige schwer abklingende Erkältungen oder eine pfeifende, heisere Atmung können auf Asthmaerkrankungen bei Kleinkindern hinweisen. Bewegungsunlust, sowie herabgesetzte Belastbarkeit sind weitere Zeichen, die vom Kinderarzt untersucht werden sollten.

Wenn Eltern bereits an Asthma leiden oder eine allergische Erkrankung (z.B. Heuschnupfen) vorliegt, sind die Chancen auf eine Asthmaerkrankung erhöht.


Der Asthmaanfall

Eine Verschlechterung bis hin zum Asthmaanfall wird in etwa 50 bis 70% der Fälle durch eine Allergie ausgelöst werden. Die häufigsten Allergene sind Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen, Tabakrauch, Nahrungsmittel… Unbehandelte Pollenallergien mit „tränenden Augen" und „laufender Nase" können zu einem Etagenwechsel in die unteren Atemwege führen. Aber auch psychische Probleme, extreme körperliche Aktivitäten… können einen Anfall begünstigen.

Bei einem Asthmaanfall kommt es zu einer plötzlichen Verschlechterung der Atmung, es gelangt nicht mehr genügend Sauerstoff in die Blutbahn, da die Bronchien sich verengen. Diese Verengung kommt zustande, wenn sich die Bronchialmuskulatur akut verkrampft, die Schleimhaut in den Bronchien sich entzündlich verändert und anschwillt. Vermehrt wird zäher Schleim produziert. Diese drei Mechanismen bewirken, dass der Querschnitt der Bronchien sehr eng und die Atmung behindert werden. Besonders die Ausatmung fällt schwer, was zu einer Überblähung der Lunge führt.

 

Therapie von Asthma

„So wenig wie möglich, so viel wie nötig". Heute könnten zumindest Asthmatiker mit leichten und mittelgradigen Beschwerden so eingestellt werden, dass sie nahezu beschwerdefrei sind. Sie müssen ihre Erkrankung jedoch nicht schicksalhaft ertragen, sondern sollten bei richtiger Therapie und guter Compliance ein beschwerdefreies Leben führen können. Viele Asthmapatienten werden noch immer nicht ausreichend therapiert!

Je früher Asthma behandelt wird, desto besser können die Patienten gegen Langzeitschäden geschützt werden. Ein unbehandeltes Asthma verschlechtert sich zunehmend. Eine Beschwerdefreiheit wird - je nach Schweregrad - nur mit bronchialerweiternden Sprays bei Bedarf oder zusätzlich mit einer vorbeugenden Dauermedikation erreicht.

Sowohl Kinder als auch Eltern oder erwachsene Patienten sollen lernen, den Zustand der Bronchien selbst einzuschätzen und die Therapie entsprechend optimal anzupassen.

 

Bronchienerweiternde Inhalationen mit sofort einsetzender Wirkung: Salbutamol (Sultanol®), Terbutalin (Bricanyl ®)

Diese kurzwirksamen ß²-Mimetika wirken innerhalb von Minuten gegen Atemnot, indem sie die verkrampfte Bronchialmuskulatur lösen. Die Wirkdauer endet nach etwa 2-6 Stunden. Die Substanzen haben Ähnlichkeit mit dem körpereigenen Stoff Adrenalin, sind wirksam bei akuter Atemnot - sie können lebensrettend sein. Der Spray sollte als „Notfallspray" immer mitgeführt werden!

Alle ß²-Mimetika helfen bei Atemnot, wirken aber nicht auf die vorhandene chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut.

Berodual ® enthält zusätzlich noch ein Spasmolytikum.

Bei Belastungsasthma setzt man die ß²-Mimetika auch zur Vorbeugung gegen Atemnot, beispielsweise im Sportunterricht, ein. Sie werden circa zehn Minuten vor der Belastung inhaliert und ermöglichen so eine uneingeschränkte Sportstunde.

 

Bronchienerweiternde Inhalationen mit langdauernder Wirkung:

Die bronchialerweiternde Wirkung von Formoterol (Foradil®, Oxis®) oder Salmeterol (Serevent®) hält bis zu 12 Stunden an. Die Häufigkeit von Asthmaanfällen wird herabgesetzt, aber bei einer Inhalation während eines Anfalles können die Attacken heftiger, sogar tödlich ausfallen! Die Patienten sollten bei plötzlichen Anfällen nur kurz wirkende Medikamente inhalieren!

ß²- Mimetika werden meist in Verbindung mit antientzündlich wirksamen Medikamenten eingesetzt.

 

 

Vorbeugende Inhalationen ohne Cortison:

Cromoglycinsäure (Intal®), Nedocromil (Tilade®) oder Ketotifen (Zaditen®) wirken entzündungshemmend. Die Bronchien werden weniger empfindlich. Nur eine regelmäßige, mehrwöchige Therapie lässt die Entzündung abklingen. Dementsprechend muss auch mindestens sechs Wochen inhaliert werden, bevor der Erfolg der Therapie beurteilt werden kann.

 

Vorbeugende Inhalationen mit Cortison:

Cortisonhältige Sprays (z.B. Pulmicort®, Flixotide®, Miflonoide®, Aerocortin®) bremsen die Entzündung und somit die allergische Reaktion. Sie verbessern die Wirkung der bronchienerweiternden Medikamente. Erst nach einigen Wochen regelmäßiger Inhalation ist der volle Schutz gegen die Entzündung gewährleistet. Die Lunge kann sich wieder erholen. Inhalative Cortikosteroide sind für die Notfallbehandlung nicht geeignet!

Die unerwünschten Nebenwirkungen bei inhalativen Cortikosteroiden sind eher gering, da nur minimale Mengen in die Blutbahn gelangen. Nach der Inhalation mit Cortison immer den Mund ausspülen, damit keine Heiserkeit oder gar eine Pilzinfektion entsteht.

Kombinationen Cortison mit ß²- Agonisten sind (Foster®, Seretide®, Symbicort®).

Cortisontabletten oder Zäpfchen werden bei besonders schweren Krankheitsverläufen eingesetzt. In Abhängigkeit von der Dosis kann die systemische Gabe von Kortikosteroiden zu Nebenwirkungen führen.

 

Tabletten zur Entzündungshemmung der Bronchien

Leukotrienantagonisten (Singulair®) hemmen die Entzündung und die allergische Reaktion - diese Wirkung ist nicht sofort spürbar. Sie werden als Dauertherapie 1x täglich in Tablettenform bei leichtem bis mittelschwerem Asthma verabreicht.

 

Andere Bronchodilatatoren

Theophyllin wirkt entzündungshemmend und bronchienerweiternd mit Langzeitwirkung, jedoch nicht so stark wie die ß²-Mimetika.

 

Maßnahmen zur Behandlung einer Allergie wie Hyposensibilisierung, Ernährungsumstellung, Wohnungssanierung, Rauchverbot in der Wohnung… sind wichtig zur Vorbeugung von Asthmaanfällen. Rauchen in der Schwangerschaft oder eine starke Pollenbelastung im letzten Schwangerschafsdrittel erhöhen das Risiko von Atembeschwerden in der Kindheit. Eine erhöhte frühkindliche mikrobielle Stimulation des Immunsystems, wie sie bei Kindern mit mehr als zwei Geschwistern, Krippenkindern, Kindern mit vielen Infekten oder Bauernkindern mit Stalltierkontakt vermutet wird, sowie ausschließliches Stillen in den ersten Lebensmonaten geht mit einem erniedrigten Asthma-Risiko einher.

Zu häufiger Gebrauch von Paracetamol in den ersten Lebensjahren steigert das Risiko, an Asthma zu erkranken.

 

Einen neuen innovativen Therapieansatz zu Behandlung bei Patienten mit schwerem Asthma mit Symptomen wie Keuchen und Atemnot bietet eine Injektionstherapie mit Omalizumab (Xolair®). Dabei werden die Wirkungen von IgE blockiert und somit Allergien verhindert.

 

Asthmatiker sollten ein Asthmatagebuch führen, diverse Reizstoffe vermeiden, eine konsequente Einnahme der vom Arzt verordneten Medikamente durchführen!

Mag. Eva Fellner

 

UNTERSCHEIDUNG: COPD-ASTHMA

COPD

                        ASTHMA

Beginn

 Schleichend
Jede Chronische Bronchitis kann in COPD übergehen

Plötzlich: meist nach Infektionen der Atemwege; oft in Kombination mit Allergie, Neurodermitis

Auslöser

Rauchen
Luftverschmutzung

Überempfindlichkeit der Lunge gegenüber bestimmten Stoffen: Pollen, Tierhaare,…

Atemnot

Immer
Am Anfang nur bei Belastung, später auch in Ruhe

Nur im akuten Anfall

Husten

Vor allem am Morgen wird viel Schleim abgehustet

Oft erstes Zeichen eines drohenden Anfalls

Auswurf

Klar, gelblich

Glasklar, sehr zäh

Krankheitsbild

Fixierte Einengung der Atemwege

Akute Konstruktion der glatten Atemmuskulatur

Lebensalter

Beginn erst im 4./ 5. Lebensjahrzehnt
Meistens Folge des Rauchens

 Beginn häufig im Kinder- und Jugendalter