·       APOTIPP

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Der Neue Apotheker“ erschienen.

 

  Die reizvolle Saison kommt wieder!

Allergische Konjunktivitis

 

·        Bindehautentzündung – Konjunktivitis

·        Die Augenbindehaut befindet sich auf der Innenseite der Augenlider und auf dem weißen Bereich des Augapfels.

·        Für eine Bindehautentzündung mit einer Rötung des Auges, Juckreiz, Brennen, Fremdkörpergefühl… gibt es viele verschiedene Ursachen und daher nach ärztlicher Abklärung unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten:

·        Infektionen:

o                               Virusinfektionen: meist sehr ansteckend, Herpesviren, Viren bei Erkältungserkrankungen

o                               Bakterielle Infektionen

o                               Chlamydien-Infektionen bei Neugeborenen

·        Irritation des Auges durch chemische und physikalische Einwirkungen: Ätzende Substanzen, starke UV-Strahlen (Schneeblindheit, im Solarium, beim Schweißen…), falsche Brillengläser, Staub…

·        Chronische Bindehautentzündung beim „Trockenen Auge“

·        Glaukomanfall

·        Verengung der abführenden Tränenwege - besonders bei Kleinkindern

·        Allergische Bindehautentzündungen: Pollen, Hausstaub, Kosmetika…

 

·        Allergische Konjunktivitis:

·        Ganzjährige Allergie: Auslöser, die das ganze Jahr vorhanden sind: Hausstaub, Schimmelpilz, Haare und Schuppen von Haustieren

·        Saisonale Allergie („Heuschnupfen“): Pollenallergie

·        Kontaktallergie: Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Nickel oder Kobalt - Inhaltsstoffe von Kosmetika können unmittelbar nach der Verwendung eine Allergie auf den Augenlidern und der Bindehaut auslösen.

 

·        Ablauf der Allergie

·        Beim ersten Kontakt mit einem Allergen produzieren die B-Zellen des Lymphsystems IgE-Antikörper, die sich auf den Mastzellen (weiße Blutkörperchen) festheften (Sensibilisierung).

·        Allergische Reaktion: beim nächsten Kontakt mit demselben Antigen. Die massenweise auf den Mastzellen festgehefteten IgE-Antikörper (zwischen 10.000 und 50.000 auf einer einzigen Mastzelle!), fangen das Allergen ein. Eine übermäßige Freisetzung des Botenstoffs Histamin aus den Mastzellen ist die Folge.

·        Histamin bewirkt eine Reizung an den sensiblen Nervenendigungen - Juckreiz oder Niesreiz.

·        Histamin erweitert die kleinen Blutgefäße - Rötung.

·        Histamin bewirkt den Übertritt von Flüssigkeit aus den Blutgefäßen ins Gewebe - Schwellung.

·        Gleichzeitig kommt eine verstärkte Flüssigkeitsproduktion der Schleimhaut in Gang - Nase und Augen tränen.

 

 

 

 

·        Behandlung der allergischen Bindehautentzündung:

·        Um das genaue Allergen der Pollenallergie zu ermitteln, wird ein Allergietest durchgeführt, entweder eine Untersuchung des Bluts auf Antikörper (RAST -Test), oder ein so genannter Pricktest. Bestimmte standardisierte Pollenextrakte werden hierbei auf den Unterarm oder den Rücken getropft. Anschließend wird die Haut unter dem Tropfen mit Hilfe einer Nadel angeritzt. Im Fall einer Pollenallergie treten nach 15 bis 20 Minuten eine Rötung und Schwellung an der getesteten Stelle auf.

·        Künstliche Tränenflüssigkeit:

o                               Spüleffekt verringert die Konzentration der Pollen

o                               Zu bevorzugen sind unkonservierte Produkte

·        Vasokonstriktoren – Weißmacher:

o                               Haben keinen direkten Einfluss auf die Allergie: Verengung der Blutgefäße – gerötete Bindehaut wird wieder weiß – aber reaktive Hyperämie – das Auge rötet sich wieder, bei längerer Anwendung kann das Auge sogar austrocknen!

o                               Naphazolin (Aconex®, Coldan®, Coldistan®)

·        H1-Antihistaminika der 2. Generation

o                               Hemmen die Freisetzung von Entzündungsmediatoren, wie Histamin.

o                               Wirkung von bereits im Gewebe vorhandenem Histamin wird durch eine Blockade am Rezeptor verhindert.

o                               H1-Antihistaminika der 2. Generation gelangen nicht mehr in das zentrale Nervensystem (gegenüber den Wirkstoffen der 1. Generation z.B. Dimetinden – Fenistil®). Aus diesem Grund ist die sedierende Wirkung nicht oder nur noch gering vorhanden. Trotzdem sollte bei der Einnahme immer mit einer herabgesetzten Reaktionsfähigkeit, aber auch mit Bauchschmerzen, Brechreiz und Übelkeit gerechnet werden.

o                               Cetirizin (Zyrtec® und Cetirizin - Generika), Levocetirizin (Xyzall®), Loratadin (Clarityn® und Loratadin -Generika), Desloratadin (Aerius®), Fexofenadin (Telfast®), Azelastin (Allergodil®), und Epinastin (Relestat®).

·        Mastzellstabilisatoren

o                               Hemmen die Ausschüttung von Mediatoren (wie Histamin), aus den Mastzellen beim Kontakt mit dem Allergen

o                               Nur vorbeugend wirksam sowie bei chronischem Leiden

o                               Sollten regelmäßig, aber bereits ein bis zwei Wochen vor dem erwarteten Pollenflug eingetropft werden.

o                               Verhindern nicht die Reaktionen auf bereits ausgeschüttetes Histamin

o                               Cromoglicinsäure (Cromoglin®, Lomusol®, Vividrin®), Nedocromil (Tilavist®) und Levocabastin (Livostin®)

o                               Ketotifen (Zaditen®)

o                               Nebenwirkungen: Überempfindlichkeitsreaktionen, Bindehautödem

·        Glucocorticoide

o                               Greifen an mehreren Stellen der allergischen Reaktion ein

o                               Unterdrücken Entzündungsreaktionen

·        Die allergische Impfung „Hyposensibilisierung" führt zu starker Verminderung der Beschwerden, weil individuell zusammengestellte Lösungen injiziert werden.

·        Akupunktur, Akupressur bringt vielen Allergikern Hilfe.

·        Gute Erfahrungen wurden mit homöopathischen Mitteln (Galphimia glauca, Allium cepa, Arsenicum album) erzielt. Sie müssen aber rechtzeitig, d. h. 4 Wochen vor Beginn der „Pollensaison" eingenommen werden.

·        Homöopathische Augentropfen sind angenehm und lindern die Reizzustände.

·        Vor und während der Saison hilft das Trinken von hochwertigem Rotbushtee.

·        Schwarzkümmelöl über 3- 4 Monate hilft gegen alle Allergieformen.

·        Stärkung einer gesunden Darmflora zur Immunstimulation.

 

Tipps bei Pollenallergie

·        Allergiekarenz: wenn möglich, Vermeidung der Allergene

·        Hände und Gesicht häufig mit reinem Wasser waschen, um Allergene wegzuspülen.

·        Nicht in den juckenden Augen reiben – Reiz wird nur verstärkt.

·        Keine Kamillenkompressen verwenden: sie enthalten meist Kamillenpollen.

·        Augen schonen, bei anstrengenden Arbeiten für eine gute Beleuchtung sorgen, häufig Pausen einlegen!

·        Die Pollen fliegen den ganzen Tag, sogar einige hundert Kilometer weit. Am frühen Morgen, von 4- 6 Uhr früh, ist die Konzentration am höchsten, deshalb am Abend lüften, in der Nacht und am Tag die Fenster schließen. In einer Großstadt kann aber die Pollenkonzentration auch am Abend sehr groß sein.

·        Pollenschutzgitter in den Fenstern einbauen.

·        Bei windigem, warmem Wetter wenig ins Freie gehen!

·        Brillen gut waschen (Pollen kleben sich leicht an), andererseits schützen Brillen die Augen gut – Lichtempfindliche Augen mit einer Sonnenbrille schützen!

·        Kontaktlinsen nur einsetzen, wenn die Bindehäute der Augen nicht gereizt sind.

·        An Regentagen oder nach einem Schauer ist die Luft pollenfrei- diese Zeit zum Luftschnappen nützen (bei Beginn des Regens ist die Luft noch voll mit Pollen).

·        Grosse Erleichterung bei einem Ausflug bringt ein längerer Aufenthalt in kühlen Kirchen und Kellern.

·        Keine extreme körperliche Belastungen, kein Stress, Sport erst nach 19 Uhr im Freien betreiben.

·        Nach dem Aufenthalt im Freien im Badezimmer die Kleidung wechseln und über Nacht dort lassen oder gleich in die Wäschekiste geben.

·        Haare am Abend waschen, damit Pollen nicht auf das Kopfkissen gelangen.

·        Häufig das Bettzeug wechseln.

·        Beim Schlafen auf eine freie Nasenatmung achten, damit die eingeatmete Luft nicht ungefiltert durch den Mund in die Lungen gelangen kann.

·        Wäsche nicht im Freien trocknen lassen.

·        Allergiker sollten nicht selber staubsaugen und –wischen, sondern oft mit feuchtem Tuch Bodenwischen und Staubwischen lassen, Staubsauger mit Pollenschutzfilter verwenden.

·        Keine Teppichböden auflegen! Am besten sind gut waschbare Bodenbeläge.

·        Vorhänge fangen viele Pollen auf- besser Jalousien verwenden.

·        Keine Staubfänger wie Trockenblumen, Wandteppiche,... in der Wohnung aufstellen.

·        Klimaanlage und Pollenfilter im Auto einbauen, damit das Fenster nicht geöffnet werden muss. (regelmäßig reinigen lassen!)

·        Autogebläse nicht auf den Kopf richten!

·        In der ärgsten Pollenzeit Urlaub im Gebirge (über 1.800m Seehöhe), am Meer, wenn der Wind vom Meer her weht, oder gar in der Wüste planen.

·        Im Garten am besten insektenbestäubende Blütenpflanzen und weibliche Sträucher und Bäume pflanzen (produzieren keine Pollen).

·        Den Rasen kurz halten, damit kein Gras blühen kann, am Abend Rasenmähen (Bei der Gemeinde fragen, wie lange man „Rasenmäherlärm" machen darf.)

·        Pollenflugkalender beachten

·        In einem Tagebuch die schlechten Tage, das Wetter, die Blütezeit von Pflanzen notieren. So werden Erfahrungen für die nächsten Jahre gesammelt und man kann sich besser vor den gefährlichen Zeiten schützen.

·        Honig kann Pollen enthalten und daher für manche Pollenallergiker unverträglich sein.

·        Histamin kommt verstärkt in Nahrungsmitteln vor, die lange reifen z.B. Salami, reifer Käse, Wein, Bier… diese während der Allergie weglassen.

·        Jeder unangenehme, aber ungefährliche Heuschnupfen kann sich sukzessive verschlechtern und zum allergischen Asthma weiterentwickeln, Schäden an Herz und Lunge können entstehen.

 

Während der „Pollensaison" ist nachweislich die Lernfähigkeit und Konzentration bei Kindern und bei Erwachsenen eingeschränkt. Eine Allergie zu erdulden ist ein großer Fehler, es gibt viele Möglichkeiten zur Erleichterung,

Mag Eva Fellner