APOTIPP

Einmal dick - Immer dick?

 

Adipositas bedeutet eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper

Ein ähnlicher Artikel von mir ist in der Fachzeitschrift „Apothekerkrone“ erschienen.

 

Jeder Mensch hat ein gewisses genetisch vorgegebenes Körpergewicht, das sich bei einer ausgewogenen Energiebilanz auf einen gewissen Pegel einstellt. Eine Adipositas entsteht vor allem durch eine falsche Ernährung (die Energiezufuhr durch fettreiche Ernährung ist dauerhaft höher, als Energie verbraucht wird). Oft fehlt zusätzlich eine ausreichende körperliche Bewegung. Seelische Faktoren wie Stress, Depression, Frustration, aber auch eine genetische Disposition können die Fettleibigkeit begünstigen.

Selten sind Krankheiten (Schilddrüsenunterfunktion, Cushing-Syndrom oder Hirntumore) die Auslöser einer Adipositas.

 

Fettverteilungstypen

Apfeltyp: größter Umfang des Körpers in der Mitte des Bauches, im Bereich der Taille

Birnentyp: hüftbetont, am dicksten um die Hüften

Wichtig ist das Apfel-Birne-Verhältnis (Waist-to-Hip-Ratio): Dabei wird der Taillenumfang durch den Hüftumfang dividiert. Bei einer Frau sollte dieses Ergebnis nicht höher als 0,8, bei Männern nicht höher als 1,0 sein.

Wenn der Quotient höher ist, so sollte etwas gegen die Fettpolster unternommen werden, weil das Fettgewebe im Bauch- Taillen –Bereich auf ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Hypertonie, Arteriosklerose, Diabetes, Krebs hinweist. Fettpolster an den Oberschenkeln, Hüften (Birnentyp) sind weniger gefährlich.

Beim Bodymaßindex wird die Größe mit dem Gewicht verglichen.

 

Da Adipositas für viele Erkrankungen ein Risikofaktor ist, muss die Fettleibigkeit behandelt werden!

 

Diät

Verhaltenstherapie

Bewegung

 

Diäten

Eine lebenslange Umstellung der Ernährung ist notwenig, die Erfolgsrate meist nur gering, die Patienten sind frustriert und nehmen eher zu als ab!

Wichtig sind die kleinen Schritte. Konsequente Vorsätze für einen überschaubaren Zeitraum z.B. „diese Woche“ können eingehalten werden. Die Vorsätze „nie mehr“ als „Alles oder Nichts“ Prinzip können nicht realisiert werden. Abnehmen als Reduktion der seelischen Freuden oder Qual funktioniert sicherlich nicht! Eine begleitende Verhaltenstherapie kann auf die jeweiligen individuellen Bedürfnisse beim Abnehmen abgestimmt werden.

 

Einige Grundregeln

·                    Meiden von Fett

·                    Gemüse als Hauptgericht, Fleisch ist Beilage

·                    Obst und Gemüse in großen Mengen wegen den vielfältigen sekundären pflanzlichen Inhaltsstoffen

·                    4-5 Stunden Abstand zwischen den Mahlzeiten

·                    Jeden Bissen lange kauen und dabei genießen

·                    Viel Flüssigkeit, am besten Wasser trinken. Getrunkene Kalorien machen dicker als gegessene, weil sie schneller verstoffwechselt werden

·                    Keine Light-Produkte verwenden! Sie suggerieren nur, dass man kein schlechtes Gewissen bei Verzehr haben muss

·                    Das Sättigkeitsgefühl wieder erlernen

 

Verschiedene Diätprogramme

Bei Fastenkuren (nur Getränke) oder Entschlackungsprogrammen (nur Getränke und wenige Lebensmittel, der Kalorienverbrauch beträgt weniger als 1000) wird der Grundumsatz gesenkt, der Körper baut Muskelmasse ab, stickstoffhaltige Verbindungen werden frei! Diese Crash-Diäten begünstigen den Jojo-Effekt, sodass sie nur unter ärztlicher Aufsicht gemacht werden sollten.

Formula-Diäten: Mahlzeiten werden durch ein Instantpulver (trinkfertig mit Wasser oder Milch) ersetzt. Diese Diät hat den großen Nachteil, dass kein Lerneffekt für eine vollwertige Ernährung stattfindet. Außerdem wird nur getrunken, nichts gegessen oder gekaut. Muss eine schnelle Gewichtsreduktion erfolgen z.B. vor einer Operation, so ist diese Diät für einen kurzen Zeitraum durchaus empfehlenswert.

Glyx-Diäten: glykämischer Index (GI) 100 bedeutet blutzuckeransteigende Wirkung nach dem Verzehr von Glucose. Lebensmittel mit einem GI größer als 70 werden abgelehnt. Je schneller der Blutzucker ansteigt, desto höher ist die Fetteinlagerung und umso geringer ist die Fettverbrennung. „Grüne Nahrungsmittel“ das meiste Obst und Gemüse, magere Milchprodukte, Eier,…haben einen niedrigen GI.

Bei der Trennkost werden eiweißhaltige und kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel bei einer Mahlzeit getrennt. Das ist eigentlich schwer durchführbar. Günstig sind die Empfehlungen bei dieser Diät, dass 80% der Nahrung basisch sein soll, wie Obst, Salat, Gemüse. Nur 20% Säurebildner wie Fleisch, Eier, Milch, Käse und Getreide. Engpässe in der Versorgung von Calcium, Eisen oder Jod können aber leicht vorkommen.

Bei der Atkins-Diät werden Kohlehydrate und Milchprodukte (außer Käse) verboten. Da die Fettzufuhr nicht beschränkt ist, Obst als kohlehydratreiche Lebensmittel mengenmäßig sehr begrenzt zu sich genommen wird, sind negative Auswirkungen auf die Verdauung zu befürchten.

Fatburner-Diäten empfehlen der Verzehr von Lebensmitteln mit geringem Fettgehalt und Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index. Dadurch sollte der Fettabbau angekurbelt werden. Es gibt aber keine Lebensmittel, die Fett abbauen. Diverse in Zeitschriften angeboten Enzyme werden aber von der Magensäure inaktiviert, bevor sie wirken könnten! Den Körper anzuregen, mehr Fett zu verbrennen, funktioniert nur durch Bewegung!

 

Jojo-Effekt

Jeder Mensch hat einen Grundumsatz. Das ist die Energie, die zum Funktionieren der Organe, des Gehirns, der Verdauung notwenig ist. Eine Faustregel zur Berechung: Gewicht in kg x 24 =  Grundumsatz in kcal.

Bei Bewegung, Sport kommt zum Grundumsatz noch ein Faktor dazu. Der Leistungsumsatz (kcal) = Grundumsatz x 0,2 bei keiner Bewegung oder  x  0,5 bei viel sportlicher Aktivität.

Wenn die Energieaufnahme von Grundumsatz plus Leistungsumsatz ständig höher ist, so wird für Notzeiten Fettgewebe aufgebaut. Bei weniger Kalorienaufnahme beginnt der Körper zu sparen, man wird müde und schlapp. Der Grundumsatz sinkt. Wenn aber die „Hungersnot“ für den Körper wieder vorbei ist, so legt er Vorräte für die nächste Notzeit an. Er nützt die Nahrungsmittel besser aus, weil der Grundumsatz ja auch noch niedriger ist.  Die Fettdepots werden stark vergrößert, man nimmt kräftig zu. Um diesen Jojo-Effekt zu unterbinden, funktioniert nur eine schleichende Gewichtskontrolle. Der Körper toleriert höchstens zwei Kilo pro Monat!

 

Hilfen aus der Apotheke

Neben der Beratung über die einzelnen Diätformen und Aufmunterung zu mehr Bewegung gibt es einige Hilfen, die unterstützend wirken können.

Zur Entwässerung, also zu Anregung der Nierentätigkeit können verschiedene pflanzliche Extrakte wie Brennnessel-, Spargel-,  Löwenzahn-, Birken… empfohlen werden. Sie reduzieren aber kein Fettgewebe!

Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel haben viele Nahrungsergänzungen (Inhaltsstoffe aus Krebstierpanzer, Carnitin, Oxylia…). Sie beeinflussen auch günstig die Cholesterinwerte. Bei einem BMI größer 30 kann der Arzt Orlistat verordnen. 2/3 des Nahrungsfettes werden dabei gebunden und abgeführt. Fettreiche Stühle und Durchfälle sind häufige Nebenwirkungen, deshalb sollte die Ernährung sehr fettarm sein.

Quellstoffe wie Weizenkleie, Flohsamen Leinsamen füllen den Magen und bekämpfen den Appetit.

Süßigkeitshunger, weil der Blutzucker zu weit abgesunken ist, kann mit Schüssler Nr.7 und 9 bekämpft werden. Zusätzlich eingenommenes Chrom hilft dem Körper, den Blutzucker besser zu stabilisieren, damit er nicht so plötzlich absinken kann - die Hungerattacken bleiben aus.

 

Bei den meisten Diätformen verliert der Körper neben Fett und Wasser auch Glykogen (gespeicherte Kohlenhydrate) und Muskelmasse (Eiweiß). Nach einer Diät wird verlorenes Fett wieder aufgenommen, verlorene Muskelmasse wird auch durch Fetteinlagerungen ersetzt. Fett hat ein um 1/3 größeres Volumen als Muskelmasse! So erreicht man nach einer Diät zwar das gleiche Gewicht aber das Volumen hat sich vergrößert! Um den Verlust an Muskelmasse zu begrenzen hilft nur Bewegung, Training, Sport!

 

Trotz dieser Hilfen ist es wichtig, dass eine dauerhafte Lebensumstellung erfolgt. Aber nicht durch Gebote und Verbote, sondern durch eigene Einsicht und Freude am Erfolg soll das natürliche Gespür für Hunger und Genuss wieder erlernt werden.

Mag. Eva Fellner